• Seit einem Vierteljahr sind die Patrouillen der Bezirksämter im Dienste der Sauberkeit unterwegs

Berlin : Seit einem Vierteljahr sind die Patrouillen der Bezirksämter im Dienste der Sauberkeit unterwegs

Tobias Arbinger

Wilde Mülldeponien vermutet man eher in abgelegenen Wäldern, sie können aber auch mitten in der Stadt entstehen. In der Neuköllner Dieselstraße, nahe Kleingärten und Baubetrieben, türmen sich neben einer Handvoll - legal abgelegter - Laubsäcke blaue Plastiktüten mit leeren Getränkedosen sowie ein Dutzend Gemüsekisten. Daneben fault eine Fuhre alter Äpfel vor sich hin - Gewerbemüll, den irgendjemand einfach dort hingeworfen hat. Christian Michel, 23, Mitarbeiter der Neuköllner Umweltstreife notiert den Ort der illegalen Verunreinigung. Die Stadtreinigung wird sie in den nächsten Tagen beseitigen. Umweltsünder würden an derselben Stelle jedoch wahrscheinlich bald wieder Müll abladen, befürchtet Michel.

Einen alten Heizkörper, einen Kühlschrank, zwei Sessel, einen kaputten Fernseher und drei modrige Matratzen hat er bei seiner Tour durch Nord-Neukölln erfasst, Sperr- und Elektromüll, den Unbekannte einfach auf der Straße abgeladen haben. Aus Unkenntnis darüber, dass die BSR-Betriebshöfe einen Kubikmeter Sperrmüll kostenlos annähmen oder weil sie die Gebühren für Elektrogeräte nicht zahlen wollten, sagt Michel. Er findet den Kiez an diesem Tag sogar "relativ sauber", die BSR habe vermutlich vor kurzem abgeräumt.

Seit Ende Juni lassen Neukölln, Hellersdorf und Köpenick im Rahmen der Aktion "Saubere Stadt Berlin" blau uniformierte Umweltwächter patroullieren. Das Bezirksamt Tiergarten setzt mittlerweile ebenfalls Mitarbeiter dafür ein, Tempelhof, Zehlendorf, Weißensee und Lichtenberg werden möglicherweise noch vor Weihnachten nachziehen.

Dutzende von Hundehaufen liegen auf den Bürgersteigen entlang Michels über drei Kilometer langen Tour, die über das Weigand-Ufer, die Weserstraße und andere Nebenstraßen der Sonnenallee führt. Ursprünglich sollte die Streife auch erreichen, dass die Hundebesitzer den Kot pflichtgemäß einsammeln. Doch während Michel die Müllsünder mit einem Verwarnungsgeld disziplinieren oder ein Bußgeldverfahren einleiten kann, fehlen ihm bei uneinsichtigen Hundehaltern die Mittel. Erst nach Beginn des Projekts stellte sich heraus, dass für die Ahndung dieser Ordnungswidrigkeit allein das Landeseinwohneramt zuständig ist. Zur Gebietsreform 2001 wird die Aufgabe den Bezirken übertragen. "Beim Hundekot hat sich nichts geändert", sagt Michel.

Das hält den jungen Beamten aber nicht davon ab, Hundebesitzer, deren Tiere er auf frischer Tat ertappt, freundlich auf die Gesetzeslage hinzuweisen. Ärgerlicherweise erwische er sie fast nie dabei. Und wenn, dann erinnerten sich die Tierfreunde plötzlich daran, dass sie "ein Zewa-Tuch oder eine Brötchentüte" dabei hätten. Sie betrachteten es als Gewohnheitsrecht, dass sie die Haufen nicht beseitigen müssten. Dass die Akzeptanz von Kotbeuteln leider gering ist, heißt es auch bei der Stadtreinigung. Und die 180 Straßenfeger, 14 Kehr- und eine Hundekotmaschine, die in Neukölln und Tempelhof im Einsatz sind, kommen mit den Hunden offensichtlich nicht mit.

In sechs Neuköllner Gebieten waren die Verunreinigungen nach Einschätzung der Umweltstreifen besonders schlimm. Sichtbar sauberer sei es dort in den vergangenen Monaten geworden, sagt Michel. Um dem Müllproblem Herr zu werden, reichten vier Leute aber nicht aus. Auch sei es nicht nur der dicht besiedelte Norden des Bezirks, der darunter zu leiden habe. Im Süden, auf Feldern an der Landesgrenze, tauche ebenfalls immer wieder illegal entsorgter Unrat auf. Und an der Waltersdorfer Chaussee in Rudow würden einige Fahrer von Reisebussen den bei ihren Touren anfallenden Müll gerne auf die Straße werfen. Michel: "Erwischt wurde noch keiner".

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