Berlin : Seitenstechen beim Berlin-Marathon

Der Veranstalter löst den Aufsichtsrat auf – und verprellt damit den Gründer des international renommierten Straßenlaufs

Friedhard Teuffel

In zwei Wochen findet der Berlin-Marathon statt, doch Gründer der Veranstaltung bleiben wohl auf der Strecke. Der SC Charlottenburg (SCC) als Allein-Gesellschafter des Marathons hat den Aufsichtsrat aufgelöst und einige Mitglieder damit schwer verärgert. Zum Aufsichtsrat gehört auch Horst Milde, der 1974 den Berlin-Marathon ins Leben gerufen hatte, und der Arzt Willi Heepe, der sich seit den Anfängen um die medizinische Versorgung der Teilnehmer kümmerte. „Wir sind vor die Tür gesetzt worden. Das ist unanständig“, sagt Milde. Heepe spricht von „peinlichem Verhalten, man hat uns zum Affen gemacht“. Manfred von Richthofen, langjähriger Präsident des Deutschen Sportbundes und ebenfalls im Aufsichtsrat, sagt: „Dieser einmalige Vorgang wirft ein schlechtes Licht auf Berlin.“

Vor einigen Tagen hatte der SCC dem Aufsichtsrat die Auflösung mitgeteilt. Heepe als Vorsitzender und sein Stellvertreter Günter Freye traten daraufhin sofort zurück. Formal ist der SCC nicht dazu verpflichtet, einen Aufsichtsrat zu haben. „Wir wollen den Aufsichtsrat in einen Beirat überführen, um unsere Vermarktungsmöglichkeiten zu verbessern“, sagt Rüdiger Otto, der Geschäftsführer der SCC-Running GmbH, die auch den Marathon durchführt. „Die Impulse, die wir uns vom Aufsichtsrat erhofft haben, sind nicht gekommen“, sagt Otto. Jedes Mitglied des Aufsichtsrats soll nun gefragt werden, ob es im Beirat mitarbeiten will.

Während Heepe zum Marathon voll auf Distanz geht und sich auch Milde eine Mitarbeit im Beirat kaum vorstellen kann, hat ein weiteres Mitglied des Aufsichtsrats seinen Unmut geäußert. Manfred von Richthofen, bis zum Mai Präsident des Deutschen Sportbundes und jetzt Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, schreibt in einem Brief an Otto, dass er „weder mit der Gesellschaft noch mit den diese Gesellschaft tragenden Persönlichkeiten in Zukunft etwas zu tun haben“ möchte. Damit meint er Otto und SCC-Präsident Klaus Henk. Noch keine Stellungnahme war von Joachim Krannich zu erhalten. Als Referatsleiter Sport vertrat er das Bundeskanzleramt im Aufsichtsrat, Bundeskanzlerin Merkel ist die Schirmherrin des Berlin-Marathons.

Horst Milde fürchtet, dass der Marathon eine ähnliche Entwicklung nehmen könnte wie das Istaf. Das Leichtathletikmeeting im Olympiastadion war von den drei Vereinen BSC, OSC und SCC bis zur Insolvenz heruntergewirtschaftet worden. „Der Marathon darf nicht beschädigt werden, es ist die Frage, wie lange der gute Ruf noch Bestand hat“, sagt Milde. Auseinandersetzungen über die Finanzen des Marathons gibt es innerhalb des SCC schon lange. „Wir brauchen einen großen Vermarkter von außen“, hatte Heepe gefordert, Otto dagegen sah Vorschläge aus dem Aufsichtsrat als von „Einzelinteressen geleitet“. Otto sagt: „Wir haben uns prächtig entwickelt, und ich bedauere, dass es jetzt Verstimmungen gibt.“ Horst Milde gehört laut Otto weiterhin zum „offiziellen Team“. Sein formales Mitspracherecht hat Milde durch die Auflösung des Aufsichtsrats jedoch verloren. Er sagt: „Man fühlt sich wie ein Fremder.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben