Berlin : Seitenwechsel

Neuer BVG-Chef ärgert Kollegen in Hannover Vertrag mit Vorteilen für die Bahn abgeschlossen

Klaus Kurpjuweit

Der künftige BVG-Chef Andreas Sturmowski muss die Seiten wechseln. In Hannover hat er zuletzt für seinen bisherigen Arbeitgeber einen Vertrag abgeschlossen, der den dortigen Nahverkehrsbetrieb Üstra in Rage bringt. Denn von der Vereinbarung, die der ehemalige Bahn-Manager mit eingefädelt hat, profitiert vor allem die Bahn. Nun soll der Vertrag nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ nachverhandelt werden. Die Kritik richtet sich dabei vornehmlich gegen den ehemaligen Üstra-Chef Heinrich Ganseforth. Sturmowski hat für seinen alten Bahn-Arbeitgeber dagegen einen vorteilhaften Vertrag ausgehandelt. In Berlin muss er nun versuchen, Vorteile für das kommunale Unternehmen herauszuschlagen. BVG und S-Bahn betrachten sich hier immer noch als Konkurrenten.

Sturmowski ist noch Chef des Nahverkehrsunternehmens Intalliance, das der Üstra, der Bahn und der Norddeutschen Landesbank gemeinsam gehört. Sie betreibt den Nahverkehr mit Straßenbahnen, S-Bahnen und Bussen in Hannover. Intalliance hat mit dem Mutterkonzern Üstra einen so genannten Optimierungsvertrag abgeschlossen, wonach das Tochterunternehmen – und damit auch die Bahn – von Sanierungserfolgen im Stadtverkehr von Hannover profitiert. Pikant dabei ist, dass der Vertrag vom damaligen Üstra-Chef Heinrich Ganseforth an dessen vorletztem Arbeitstag vereinbart worden ist. Um die Nachfolge von Ganseforth hatte sich auch Sturmowski beworben – vergeblich. Er kam bei der BVG zum Zug.

Ob der städtische Nahverkehrsbetrieb BVG und die Bahn auch in Berlin so zusammenarbeiten wie unter dem Dach der Intalliance in Hannover ist unwahrscheinlich. BVG und S-Bahn haben jeweils langjährige Garantieerklärungen vom Senat erhalten, die die Eigenständigkeit beider Unternehmen sichern. Sturmowski führte für die Bahn Mitte der 90er Jahre allerdings auch schon Gespräche mit dem Ziel, BVG und S-Bahn in Berlin zu vereinen. Das Projekt war jedoch gescheitert.

Wann Sturmowski zur BVG kommen wird, steht nicht fest. Als Termin zum Wechsel auf den Vorstandssitz wird der 1. November angestrebt. Spätestens Anfang 2006 soll der Wechsel vollzogen sein.

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