Berlin : SEK stellt Hitler sicher

Kunststudent provoziert mit Malerei und im Netz – bis die Polizei in seiner Wohnung auftaucht.

Alexander Haneke
Foto: promo
Foto: promo

Wie provokant Kunst sein kann, haben im vergangenen Jahr zwei Studenten der Universität der Künste gezeigt, die im Internet Millionen von Menschen darüber abstimmen ließen, ob ein Schaf mit einer Guillotine getötet werden soll. Nun hat erneut ein UdK-Student drastische Reaktionen provoziert - darunter den Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos der Berliner Polizei, das für den Umgang mit Terroristen oder Geiselnehmern trainiert ist.

Der Anlass: Ein großformatiges Hitler-Porträt. Das hat das SEK am Wochenende bei dem vierundzwanzigjährigen Kunststudenten Hagen Vogel sichergestellt. Der hatte das Bild, an dem er seit drei Jahren malt, in seiner privaten Wohnung in Wilmersdorf zwischen zwei Kunstpalmen an die Wand gehängt und mit ebenfalls gemalten Hakenkreuzfahnen drapiert. Nachbarn informierten daraufhin die Polizei.

Die Polizei rief das SEK hinzu, weil sie im Internet auf ein Foto gestoßen war, auf dem der Student mit einer automatischen Waffe posierte. Das Gewehr war aber nur eine Attrappe und das Bild ein Scherz – so schildert es zumindest Vogel selbst. „Mir ging es doch nur um die Malerei“, sagt der Kunststudent. „Ich will, dass die Leute nur auf das Bild gucken und nicht immer alles mit ihrem antrainierten Verstand sehen.“ Doch ganz nebensächlich war die Provokation offensichtlich nicht. Vor ein paar Monaten schon startete er auf Facebook eine Fanseite: „Hagen Vogel. Der Hitlermaler“. Sein Malereiprojekt propagierte er so offensiv, dass sich einige Studenten durch den martialischen Auftritt bedroht fühlten – was wiederum Vogel nicht verstehen kann. Vor einigen Wochen wurde er aber sogar aus seinem Klassenverband ausgeschlossen. Die Uni-Leitung schaltete sich ein, als Vogel das Gerücht streute, beim diesjährigen UdK-Rundgang werde es eine „Überraschung“ geben. Auf dem Rundgang zeigen die Studenten ihre Arbeiten der Öffentlichkeit.

„Ich hätte das Bild nur in einen Raum geschlossen; dann wissen die Leute, dass es da ist, können es aber nicht sehen“, sagt Vogel. Die UdK verbot ihm jedoch, das Hitler-Porträt in ihr Gebäude zu bringen. „Wir stellen nur die Kunst aus, die in der UdK entstanden ist und die hier künstlerisch und inhaltlich reflektiert wurde“, sagt Pressesprecherin Claudia Assmann.

Die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes ist indessen fraglich. Das Strafgesetzbuchs verbietet es, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wie etwa Hakenkreuze zu verbreiten. Vogel hatte das Bild jedoch in seiner Privatwohnung gemalt und nur dort aufgehängt. Laut Polizei lag ein solches Verbreiten vor, weil die Nachbarn das Bild sehen konnten. Tatjana Hörnle, Strafrechtlerin an der Humboldt-Universität, hält diese Einschätzung für falsch: „Verbreiten setzt ganz klar einen größeren Personenkreis voraus; das ist bei einzelnen Nachbarn nicht der Fall.“ Alexander Haneke

0 Kommentare

Neuester Kommentar