Berlin : Sekt in der Senatssitzung: Nachträglicher Gratulationsempfang

Brigitte Grunert

Lange Worte, kurze Musik. "Warum ist es nicht umgekehrt?", fragt Richard von Weizsäcker heiter. Er hat schon so viele Lobreden aus Anlass seines 80. Geburtstages gehört. Am Dienstagvormittag gratulierte die Stadt ihrem Ehrenbürger, dem Altbundespräsidenten und früheren Regierenden Bürgermeister nachträglich mit einem Festempfang im Roten Rathaus. Vorher wurde ihm noch die Ehre seiner Teilnahme an der Senatssitzung zuteil. Ein Stündchen diskutierte er mit Eberhard Diepgen und den Senatoren über die Europa-Politik und über die Bedeutung der Kultur für das europäische Zusammenleben, auch über die Hauptstadt-Kulturfinanzierung. Weizsäcker erkannte "durchaus nostalgische Züge". Nur habe es bei ihm nie so früh Sekt gegeben, scherzt er beim Willkommensschluck.

Im Festsaal müssen derweil 230 Gäste etwas länger auf die Hauptpersonen warten. Auch Altbundespräsident und Ehrenbürger ger Roman Herzog, gleich vier weitere ehemalige Regierende, nämlich Klaus Schütz, Hans-Jochen Vogel, Walter Momper und Tino Schwierzina, einige Weizsäcker-Senatoren, Weggefährten und einstige Mitarbeiter bis hin zur Sekretärin sind gekommen. Diepgen erinnert an die strahlende Amtszeit von 1981 bis 1983, mit der sein Vorgänger die Senatsära der CDU einleitete: "Sie haben Berlin neues Selbstbewusstsein und Impulse für den Aufbruch gegeben". Und er habe "sich die Liebe der Berliner errungen".

Der Rektor des Berliner Wissenschaftskollegs, Wolf Lepenies, würdigt Weizsäcker in seiner Festrede als einen streitbaren Demokraten, der seine Überzeugungen nie der Parteiräson geopfert habe. Er schlägt auch den Bogen zu Weizsäckers aktuellen Verdiensten mit seinen Expertengruppen zur EU-Erweiterung und zur Reform der Bundeswehr: "Seine Vorschläge zur Bundeswehrreform haben gezeigt, wie viel produktive Unruhe sich aus dem so genannten Ruhestand heraus erzeugen lässt".

Das hohe Lob auf seine Überparteilichkeit rückt Weizsäcker ein wenig zurecht. Er hatte schließlich "richtige Wahlkämpfe" zu bestehen. Was er darunter verstand, schildert er mit einer Episode. Bundeskanzler Schmidt nannte Weizsäcker im Berliner Wahlkampf 1981 "nicht Fisch, nicht Fleisch, sondern einen Klops". Weizsäcker gab das "Kompliment" zurück: "Ich sagte, erstens heißt das in Berlin Bulette, und zweitens wenn schon Klopse, sind sie den Berlinern lieber als Hamburger." Und dann wendet er sich seinem damaligen Gegner Vogel zu: "Dass ich die Wahl gewonnen habe, lag ganz gewiss zuallerletzt an Jochen Vogel." Doch auch im Blick auf die neue Rolle der Stadt weiß er: "Die Bodenhaftung und die Bürgernähe in Berlin sind für die deutsche Politik wohltuend, gesund und lehrreich." Als Zentrum Deutschlands habe Berlin weit über die Grenzen des Landes hinaus ein Gewicht gewonnen, "wie es sich meine Generation nicht zu erträumen wagte".

Das Geburtstagsgeschenk Diepgens entspricht "der Kassenlage" und ist doch symbolträchtig: ein Bild von der Nikolaikirche, in der Weizsäcker als Bundespräsident am 29. Juni 1990 zum gemeinsamen Ehrenbürger von West und Ost ernannt wurde. Aber das Bezaubernste ist für ihn die Musik. Die jungen Brüder Fridolin und Julius Theo Helm spielen anrührend Klassisches auf der Gitarre, und auch die Cellisten der Berliner Philharmoniker, deren Ehrenmitglied er ist, bringen ein Ständchen.Infos im Internet

www.meinberlin.de/weizsaecker

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