Berlin : Sekten, Gerüchte und Intrigen – Polizeidirektor wehrt sich

Polizeischülerin Vanessa S. galt als naiv und wollte Scientology beitreten. Nun ist sie Anlass für Ermittlungen gegen Schulleiter Dreksler. Der fühlt sich verleumdet

Werner Schmidt

Vanessa S. hatte sich Ende November bei der Scientology Church beworben. Die 21-jährige Polizeischülerin wollte der Sekte angeblich beitreten. Doch nach dem ersten Kontakt hat sie sich dann, wie die Scientology Church in München bestätigte, nie mehr gemeldet. Vanessa S. ist Teil der neuen Scientology-Vorwürfe, mit denen sich Otto Dreksler, der Leiter der Berliner Polizeischule, auseinander setzen muss. Er fühlt sich auch jetzt als Opfer einer Intrige.

Der Polizeipräsident reagierte schnell, als die anonymen Vorwürfe aus Drekslers Kollegenkreisen bekannt wurden: Er bat Dreksler, Urlaub zu nehmen – aber er hörte den Polizeidirektor nicht an: „Ich wurde nur mit den Anschuldigungen konfrontiert,“ sagte Dreksler. Dabei hatte die Polizeiführung vom letzten „Fall Dreksler“ gewarnt sein müssen: 1998 war er schon einmal beschuldigt worden, Scientologe zu sein. Damals wurde er rehabilitiert, das Land musste 35 000 Mark Schmerzensgeld zahlen. Die Polizeiführung äußert sich nach wie vor nicht. Es hieß lediglich, die Staatsanwaltschaft habe den Vorwurf für so schwerwiegend gehalten, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme gegen Dreksler einleitete.

Dieser hat von seiner Schülerin Vanessa S. zum letzten Geburtstag einen Reisegutschein nach Mexiko geschenkt bekommen. Die Reise sollte zur Finca der Frau gehen. Sie behauptet, das Anwesen und Geld von ihrem Vater geerbt zu haben, der als Stuntman in Kanada tödlich verunglückt sein soll. Dreksler hat bereits mehrfach erklärt, er habe das Geschenk sofort zurückgewiesen und eine Woche später – nach der Genesung von einer Grippe – seinen Vorgesetzten informiert. Dieser scheint aber offenbar die Polizeiführung darüber nicht unterrichtet zu haben. Am vergangenen Mittwoch wurde Dreksler überraschend zum gleichen Vorgesetzten gerufen, der ihn nur mit neuen Scientology-Vorwürfen konfrontiert habe. Angeblich soll er Vanessa S. eine Visitenkarte der Sekte übergeben und die Frau an sie vermittelt haben.

Nach Auskunft von Drekslers Anwalt, Johann Schmidt-Drachmann, lernte dieser die Frau erst Anfang November zufällig in der Polizeischule kennen. Sie habe ihm von ihrer Angst vor der Sportprüfung berichtet. Dreksler lud sie daraufhin zum sonntäglichen Jogging mit Freunden um den Schlachtensee ein.

Je mehr sich Dreksler der Frau annahm, so Schmidt-Drachmann, desto intensiver suchte sie dessen Rat und Nähe. Sie war als einzige Schülerin bei Drekslers Geburtstag – zuvor habe sie ihn gefragt, ob sie kommen dürfe. Er hatte zugesagt. Während einer Polizei-Demonstration gegen Kürzungen habe die Frau ständig neben Dreksler gestanden. Dies habe unter dessen Kollegen zu Gerede geführt. Mehrfach sei in der Vergangenheit von Ausbildern festgestellt worden, dass die Frau naiv sei und dringend psychiatrische Hilfe brauche. Aber niemand zog aus diesen Bewertungen Konsequenzen, sagte Dreksler.

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