Berlin : Selbst Musikkonzerne wollen die Raver nicht sponsern

Über die Zukunft des Techno-Umzugs wird weiter verhandelt, doch eine Rettung ist nicht in Sicht. Auch die Wirtschaft hält sich zurück

S. Beikler,C. Dobberke

Die Verhandlungen zur Rettung der abgesagten Love Parade am 10. Juli dauern an, haben aber noch zu keinem Durchbruch geführt. Der Cheforganisator des Techno-Spektakels, Ralf Regitz von der Firma Planetcom, sprach gestern von einem „intensiven und konstruktiven Dialog“ mit Senatsvertretern. Derzeit würden Sparideen diskutiert, parallel dazu gehe die Sponsorensuche weiter. „Der Senat hilft, wo er kann“, lobte Regitz.

Skeptisch blieb Geschäftsführer Fabian Lenz von der Love Parade Berlin GmbH. Die GmbH fungiert als Veranstalter und besitzt die Markenrechte. Sie hatte die Parade abgesagt, weil rund 700 000 Euro zur Finanzierung fehlen. „Uns ist noch nicht klar, wie eine Lösung aussehen könnte“, sagte Lenz. Mit einem Verhandlungsergebnis sei erst in der kommenden Woche zu rechnen.

Die Anmeldung einer Demonstration unter dem Titel „Mit Musik gegen den Ausverkauf der Musik – Für den Erhalt der Love Parade“ am 10. Juli im Tiergarten hat die Macher der Raver-Party überrascht. Wie berichtet, hat ein Mitarbeiter der Berliner Agentur „Machen & Tun“ die Kundgebung bei der Versammlungsbehörde angemeldet. Planetcom-Chef Regitz wollte „nicht darüber spekulieren“, ob die Parade notfalls durch diesen Vorstoß gerettet werden könne. „Das würde erst relevant, wenn unsere Bemühungen gescheitert sind.“ Er kenne den Anmelder bisher nicht. Noch hat die Planetcom das Recht zur exklusiven Nutzung des Tiergartens am zweiten Juliwochenende. PDS-Wirtschaftssenator Harald Wolf sagte, die Landesregierung sei „nach wie vor im Gespräch mit den Veranstaltern“. Die Love Parade müsse Berlin erhalten bleiben. Wolf betonte aber, es könne „keine Dauersubventionierung einer privatwirtschaftlichen Veranstaltung“ geben. Die landeseigene Messe GmbH werde nicht mehr einspringen. Im Vorjahr hatte eine Messe-Tochterfirma als Mitveranstalter einen Verlust von 500 000 Euro gemacht. Vor dem Hintergrund des Tempodrom-Skandals, als Millionen in ein privates Projekt flossen, ist die Landespolitik nicht bereit, öffentliche Gelder zur Verfügung zu stellen.

Auch die Wirtschaft hält sich bei der Love Parade zurück. Der Vizepräsident der Berliner Hotel- und Gaststätteninnung, Klaus-Dieter Richter, hielt finanzielle Unterstützung aus Reihen der Mitglieder für unwahrscheinlich: „Die Hotelbranche ist gespaltener Meinung darüber, ob die Raver wirklich so viel Umsatz bringen. Die übernachten ja nicht unbedingt im Hotel.“ Sony Music bedauerte zwar eine mögliche Absage der Party, verwies aber zugleich auf die schlechte wirtschaftliche Lage der Musikindustrie. Die Plattenfirma hatte zur Love Parade bisher eigene Partys im Café am Neuen See veranstaltet. Vom ehemaligen Großsponsor T-Mobile hieß es, man setze inzwischen auf andere Musikstile. Auch die Deutsche Bahn AG schloss ein Sponsoring aus. Schering konzentriert sich lieber auf die eigene Stiftung für Kultur und Wissenschaft. Die Stadtreinigung verwies darauf, dass sie die Straßen zusammen mit der Firma Alba zum Selbstkostenpreis gereinigt habe. Noch weiter könne man den Veranstaltern nicht entgegenkommen.

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