Berlin : Selbsthilfe im Hansaviertel: Es kann nur schöner werden

Im Jahr 2007 wird das weltberühmte Architekturensemble 50 Jahre alt – bis dahin wollen Bürger das öde Zentrum und die Grünanlagen aufpolieren

Bernd Matthies

Das Hansaviertel ist in schlechter Form. Sein Zentrum verödet, die Parkanlagen verwahrlosen. In dunklen Ecken macht sich der Drogenhandel breit, der Strich auf der Straße des 17.Juni hinterlässt Spuren, Sprayer beschmieren jede erreichbare Wand. Doch das Hansaviertel ist auch eine Ikone zeitgenössischer Architektur – das soll 2007 zum 50.Jahrestag seiner Gründung mit internationaler Resonanz gefeiert werden. Was tun? Am Dienstagabend hat sich im Grips-Theater eine Strategiegruppe gegründet, die die Arbeit der verschiedenen Interessengruppen bündeln will.

Ihr Ziel: Das Hansaviertel soll im Jubiläumsjahr wieder so strahlend dastehen wie einst, „mit den glücklichen Bewohnern, mit einem höchst attraktiven Zentrum und mit gepflegten Grünanlagen, mit einladender Geste an alle Besucher“, wie es Marlene Zlonicky, die Vorsitzende des Bürgervereins Hansaviertel, formuliert.

Das Hansaviertel, 1957 im Rahmen der Bauausstellung „Interbau“ entstanden, gilt als wichtiges Zeugnis modernen Städtebaus. Dennoch steckt es nach Auffassung vieler Bewohner in einer Spirale des Niedergangs. Vor allem das Zentrum am Hansaplatz wirkt vernachlässigt, es gibt kaum noch attraktive Ladengeschäfte, und die durchaus vorhandene Kaufkraft wandert ab – keine angenehme Perspektive angesichts der Erwartung, dass in zwei Jahren anspruchsvolle Besucher aus aller Welt anreisen. Überdies erschwert die komplizierte Eigentumsstruktur gezieltes Handeln: Viele Wohnungen gehören den einzelnen Bewohnern, andere sind in der Hand privater Immobilienunternehmen wie Bendzko. Das Zentrum mit dem Grips-Theater gehört mehreren Eigentümern, unter anderem der Fundus-Gruppe und der Bendzko-Tochter Präzisa.

Alle wichtigen Interessengruppen waren am Dienstag vertreten, darunter auch die Denkmalpflege des Senats und Baustadträtin Dorothee Dubrau, die den Bewohnern ihre Unterstützung zusicherte. Sie sagte, sie wolle sich um EU-Mittel bemühen, die zumindest bei der Sanierung von Grünanlagen und Gebäuden in öffentlichen Besitz helfen könnten. Außerdem hat sie in ihrer Behörde einen zentralen Ansprechpartner benannt.

In den kommenden Monaten werden die Beteiligten nun „ihre Hausaufgaben machen“ und sich dann erneut treffen, wie Marlene Zlonicky sagte. Erste Etappe ist eine Beteiligung am Senatswettbewerb „Mittendrin Berlin!“, die eine Art Initialzündung sein soll. Die Strategiegruppe beginnt nicht bei Null, sondern kann sich auf die Vorarbeit des Anfang 2004 gegründeten Bürgervereins stützen. Er hat bereits eine Studie vorgelegt, die den zustand des Zentrums dokumentiert, Vorschläge für Sanierung und Reorganisation enthält und die Einrichtung einer Managerstelle anregt. Vorgenommen hat man sich überdies, die sozialen Probleme des Viertels professionell anzugehen und im Wege der „oral history“ ein wenig Geschichtsschreibung zu betreiben – noch gibt es eine ganze Reihe von Bewohnern, die seit der Gründung im Hansaviertel leben und viel zu erzählen haben. Die Besucher des Jahres 2007 werden dies gern hören.

0 Kommentare

Neuester Kommentar