Berlin : Selbstmörder lernten sich im Internet kennen

Die Polizei rätselt noch, warum zwei junge Menschen gemeinsam in den Tod gingen

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Ein Motiv für die Tragödie gibt es noch immer nicht: Das Paar hinterließ keinen Abschiedsbrief. Was den 16jährigen Jugendlichen aus Tauberbischofsheim in Baden- Württemberg und die 21-jährige Frau aus Charlottenburg in den Tod trieb, ist auch für die Kriminalpolizei derzeit noch ein Rätsel. Allerdings: Beide waren offenbar stark selbstmordgefährdet. Der 16-Jährige soll sogar bis vor kurzem in seiner Heimat in einer geschlossenen Anstalt in Behandlung gewesen sein. Nach Angaben der Kriminalpolizei ist er dort erst kürzlich entlassen worden. Kennen gelernt hatten sich die zwei in einem Internet-Chatroom. Wie berichtet, hatte am Sonntagvormittag ein Spaziergänger die beiden Leichen an der Teufelsseechaussee gefunden. Sie lagen in einem Auto, das auf einem Parkplatz abgestellt war.

Die Polizei nennt es einen „erweiterten Selbstmord“: Zwei Menschen beschließen, gemeinsam in den Tod zu gehen, wobei einer den anderen tötet und anschließend Hand an sich selbst legt. So war es augenscheinlich auch in diesem Fall. Der 16-Jährige schoss erst seiner Begleiterin, die auf dem Fahrersitz saß, in den Kopf und danach sich selbst in den Mund. Tatwaffe war ein Gewehr vom Kaliber 22 – eine Kleinkaliberwaffe –, die vermutlich der Jugendliche mitgebracht hatte. Als das Paar gefunden wurde, hing eine Hand der Frau aus dem Wagen, der Kopf des Jungen war zur Seite geknickt. Die Herkunft des Gewehrs sei noch ungeklärt, sagte ein Ermittler. Gewehre dieses Kalibers sind beliebte Sportwaffen, wie sie auch in süddeutschen Schützenvereinen besonders gerne von Jugendlichen verwendet werden. Ob der Jugendliche allerdings in einem Schützenverein Mitglied war, ist derzeit nicht bekannt.

Die Polizei hält sich mit Details zum Fall sehr zurück, um die Angehörigen des Jugendlichen und der Frau zu schützen. Doch wurde bekannt, dass der 16-Jährige erst am Wochenende, Freitag oder Sonnabend, nach Berlin reiste. Wo er sich bis zur Tat aufgehalten hat, sei noch nicht ermittelt, sagte ein Kripo-Beamter. Die Frau soll der Jugendliche durchs Internet kennen gelernt haben, ähnlich wie in der „Tatort“-Sendung am vergangenen Sonntag. Ob sie bereits übers Internet ihren Freitod vereinbart hatten, bleibt wohl ein Rätsel.

Das Auto, in dem die Tat geschah, gehörte der Frau. Hinweise, dass sie sich wehrte, als der Jugendliche die Waffe gegen sie richtete, gibt es nach Darstellung einer Polizeisprecherin nicht. Die Frau soll in der Vergangenheit Äußerungen gemacht haben, die nun von Freunden und Angehörigen als Hinweise auf einen möglichen Freitod interpretiert werden, damals aber nicht als solche gedeutet worden seien, sagte ein Ermittler.

Auf keinen Fall handele es sich bei der Verzweiflungstat um ein Beziehungsdrama, wie zunächst vermutet worden war. Beide seien nicht miteinander liiert gewesen.weso

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