Berlin : Selbstmord mit dem Auto

18-Jähriger musste kurz zuvor den Führerschein abgeben

Jörn Hasselmann

Peter hatte sich betrunken von der Polizei schnappen lassen– diese Blamage vor den Freunden, das verkraftete der 18-Jährige nicht. Am Donnerstagabend setzte sich der junge Mann in den Wagen einer Bekannten und fuhr los. Wie ein Geschoss, so eine Zeugin später zur Polizei, sei ihr der Renault um 21.20 Uhr auf der Köpenicker Allee aus Richtung S-Bahnhof Wuhlheide entgegengekommen. In einer leichten Rechtskurve steuerte Peter J. den Renault nach links in den Wald. Gebremst habe der Wagen nicht mehr, sagte die Zeugin. Der Wagen zerschellte an Baum „S 56“. Peter J. wurde aus dem Wagen geschleudert. Der 18-Jährige hatte sich nicht angeschnallt, er wollte sich das Leben nehmen. Autofahrer, die den Unfall im Wald der Wuhlheide beobachteten, fanden den Mann auf dem Bauch liegend neben dem Renault Clio; auch eine Notärztin konnte sein Leben nicht mehr retten. Mit welchem Tempo der Renault gegen den Baum raste, muss durch ein Gutachten geklärt werden.

Am 22. Dezember war dem jungen Mann nach einer Trunkenheitsfahrt der Führerschein abgenommen worden, den er erst im Herbst , kurz nach seinem 18. Geburtstag gemacht hatte. „Er hatte Angst, dass ihn seine Kumpels auslachen“, sagte ein Ermittler. Passiert war bei dieser Trunkenheitsfahrt nichts, hieß es bei der Polizei. Peter J. war durch Zufall, ohne einen Unfall verursacht zu haben, in eine Polizeikontrolle geraten. Auch am Donnerstagabend habe er das Haus seiner Eltern in Mahlsdorf unter Alkoholeinfluss verlassen, sagte ein Schulfreund bei der Polizei aus.

Um 18.30 Uhr war er aus dem Haus gegangen, hatte sich den Autoschlüssel einer Bekannten, deren Wagen vor dem Haus parkte, genommen und war losgefahren. Im Haus hatte er einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er den Grund für seinen Selbstmord aufschrieb und seinen Tod „auf dem Lausitzring“ ankündigte. Ob der junge Mann ohne Führerschein in den drei Stunden tatsächlich zum – derzeit geschlossenen – Lausitzring fuhr und dort umkehrte, konnte die Polizei nicht sagen. Da Peters Eltern den Abschiedsbrief rasch gefunden hatten, hatte ihn der Vater schon vermisst gemeldet, als die Todesnachricht aus der Wuhlheide eintraf.

Als erster Verkehrstoter 2003 geht Peter J. nicht in die Statistik ein. Denn angekündigte Suizide mit einem Auto gelten nicht als Verkehrsunfall.

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