Selbstmord : WM-Beauftragter Kießling gestorben

Der WM-Beauftragte des Senats, Jürgen Kießling, ist in der Berliner Charité seinen schweren Verletzungen erlegen. Kießling hatte sich am Sonntag im Anschluss an das WM-Finale in den Kopf geschossen; die Hintergründe der Tat sind noch im Dunkeln.

Berlin - Der WM-Beauftragte des Berliner Senats, Jürgen Kießling, ist wenige Tage nach seinem Selbstmordversuch seinen schweren Verletzungen erlegen. Der 65-jährige starb am Donnerstagmittag in der Charite. Nähere Angaben über die Umstände des Todes machte die Sprecherin der Klinik, Kerstin Endele, nicht.

Der seit Jahren verwitwete Kießling hatte sich am Sonntag nach dem WM-Finale zwischen Italien und Frankreich in Berlin im Garten seines Hauses in Reinickendorf mit einer Pistole in den Kopf geschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. Über die Motive für die Tat ist nichts bekannt. Kießling war maßgeblich an der Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft beteiligt. Er hatte sich für Deutschlands größte Fanmeile am Brandenburger Tor engagiert und war auch Sprecher aller zwölf deutschen WM-Städte. Intern trug Kießling den Titel «Mister WM».

Wowereit spricht Angehörigen Mitgefühl aus

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte die Leistungen Kießlings. Der Abteilungsleiter in der Bildungs- und Sportverwaltung habe sich stets rastlos und unermüdlich für die Erfüllung der ihm gestellten Aufgaben eingesetzt. Kießling habe sich um Berlin verdient gemacht, «zuletzt durch sein großes und überaus erfolgreiches Engagement für die Fußball-Weltmeisterschaft». Wowereit sprach den Angehörigen Kießlings, vor allem dessen Tochter, sein Mitgefühl aus.

Medienberichten zufolge hinterließ Kießling zwei Abschiedsbriefe an seine minderjährige Tochter und an den Rest seiner Familie. Die Polizei ermittelt nach Angaben eines Sprechers weiter zu den Umständen des Selbstmordversuchs. Unterdessen halten die Spekulationen über die Hintergründe an.

"Existentielle Sorgen"

Der Sohn des Verstorbenen, Timo Kießling, sprach von einer «persönlichen Entscheidung» seines Vaters. Er bitte darum, diese zu respektieren. Gleichzeitig appellierte er an die Medien, «von weiteren Anfragen an meine Familie und von weiteren Spekulationen abzusehen».

Der Tagesspiegel hatte in seiner Donnerstagausgabe berichtet, Kießling habe «existentielle Sorgen um seine finanzielle Zukunft» und die seiner 15-jährigen Tochter gehabt. Der Abteilungsleiter habe eine hohe finanzielle Verpflichtung im Familienkreis gehabt, die mit Vollendung des 65. Lebensjahres und Eintritt in den Ruhestand fällig geworden wäre. Anzeichen von Verzweiflung, Depressionen oder Burnout-Syndrom soll er aber nicht gezeigt haben.

Böger: "Zutiefst bestürzt und sehr traurig"

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) erklärte, er selbst und die Mitarbeiter Kießlings seien «zutiefst bestürzt und sehr traurig». Für Kießling sei die Weltmeisterschaft der berufliche Höhepunkt gewesen. Mit seinem herausragenden Engagement als Koordinator aller WM-Städte und Berlins habe er einen entscheidenden Anteil am großen Erfolg des Turniers gehabt.

Auch nach dem Ende der WM hätten Kießling alle Türen offen gestanden. «Ich habe schon vor einigen Monaten seinem Wunsch gerne zugestimmt, dass er nicht in den Ruhestand geht, sondern weiterhin als Leitender Senatsrat die Sportabteilung der Senatsverwaltung führt», sagte Böger. Kießling habe seine «beruflichen Ziele eindrucksvoll erreicht». Böger nannte es eine «unfassbare Tragödie», dass Kießling sich das Leben genommen habe. (tso/ddp)

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