Berlin : Selbstmordversuch im Zoo?: Hechtsprung ins Eisbärenbecken

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Es wird noch gerätselt: War der Sprung ins Eisbärenbecken ein Selbstmordversuch oder ist der 33-jährige Köpenicker geistig verwirrt? Was ihn gestern Mittag veranlasst haben mag, über die nur etwa 50 bis 70 Zentimeter hohe Hecke am Eisbärengehege des Zoos zu klettern, weiß bisher niemand. Der Mann stellte sich auf die schmale Betonmauer und mit einem Hechtsprung landete er etwa vier Meter tiefer im schmutzig-grünen Wasser, das die künstliche Landschaft umgibt. Eisbär Lars, ein Koloss von einer dreiviertel Tonne, schwamm zu dem Fremden und begann, ihn zu untersuchen. Dabei zog sich der 33-Jährige zwei blutende, aber nicht gefährliche Wunden am Kopf und zwei weitere am Körper zu, berichteten Zoo-Mitarbeiter später. Nach Auskunft der Feuerwehr hat er sogar nur Schürfwunden, die bei der Rettungsaktion entstanden sein sollen.

Besucher, die den Sprung ins Eisbärenbecken beobachtet hatten, warfen ihm einen Rettungsring zu, andere riefen um Hilfe und alarmierten damit zwei Pfleger, die in der gegenüber liegenden Fasanerie ihre Mittagspause machten. Thomas Lenzner (33) und sein Kollege Ronald Regler (41) rannten hinzu. Während einer im Tauziehen mit dem Bären versuchte, den Mann am Rettungsring aus dem Wasser zu ziehen, schlug sein Kollege mit einer vier Meter langen Stange, an deren Ende eine Metallkugel sitzt, dem Tier mehrfach auf die Nase, damit dieses von seinem vermeintlichen Spielzeug lässt.

Der Bär habe tatsächlich nur gespielt, sagte der für die Eisbären zuständige Tierpfleger. Die Spezies sei nicht bösartig, sondern neugierig. Plötzlich habe sich etwas Neues im Gehege gefunden, das musste der einzige Bär unter vier weiblichen Tieren genau untersuchen. Die Weibchen hätten sich uninteressiert an dem "Neuzugang" gezeigt. Dennoch hätte es für den leichtfertigen Besucher durchaus tödliche Folgen haben können. Der Mann habe nach seiner Rettung das Tier in Schutz genommen und sei trotz seiner Verletzungen nicht etwa zornig oder wütend gewesen, sagte einer der Retter. Der siebenjährige Eisbär Lars kam dieses Jahr zur Zucht aus Neumünster nach Berlin.

Bereits vor dem Sprung ins Eisbärenbecken war der Mann aufgefallen, als er an der Fasanerie gegen das Gitter einer Voliere sprang und dieses beschädigte. Als die Besucher, unter ihnen auch viele Kinder, während der Rettungsversuche die Anlage räumen sollten, weigerte sich ein älterer Mann: Er meinte, das grausige Spiel sei Teil seines Zoobesuchs, für den er bezahlt habe, sagte der Wissenschaftliche Mitarbeiter des Zoos, Rudolf Reinhard.

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