Berlin : Seltener Opfer, häufiger Täter

Migranten-Kinder sind öfter an Konflikten beteiligt

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Ein besonders beunruhigender Aspekt der aktuellen Gewaltstatistik besteht in der überproportionalen Beteiligung von Kindern aus Migrantenfamilien – und zwar „selten als Opfer, häufiger als Beteiligte auf der Täterseite“, wie die Senatsverwaltung für Bildung gestern mitteilte. Insgesamt spielten sie bei 853 der insgesamt 1573 gemeldeten Gewaltvorfälle im vergangenen Schuljahr 2005/06 eine Rolle, was einem Anteil von 54,2 Prozent entspricht. Ihr Anteil an der Gesamtschülerschaft macht nur 26,6 Prozent aus.

Besonders drastisch zeigt sich das Missverhältnis beispielsweise in Pankow, wo die Migranten weniger als zehn Prozent der Schüler stellen, aber an über 30 Prozent der Taten beteiligt waren. Ähnlich ist die Relation in Treptow-Köpenick. Nicht ganz so dramatisch ist das Missverhältnis in Mitte: Dort sind sie zwar an 78 Prozent aller Delikte als Täter oder Opfer beteiligt, aber ihr Anteil an der Schülerschaft macht dort auch fast 60 Prozent aus. In Neukölln wiederum driften beide Anteile wiederum stärker auseinander: Sie sind dort ebenfalls an vier von fünf Vorfällen beteiligt gewesen, stellen aber bloß knapp 50 Prozent der Schüler.

Generell gelten die schwierigen sozialen Verhältnisse, unter denen diese Schüler meist leben, als Hauptursache für die Gewaltbereitschaft. Insbesondere in den libanesischen Familien, deren Aufenthaltsstatus ein Arbeitsverbot mit sich bringt, machen die Kinder kaum Erfahrungen mit einem normalen Lebensrhythmus und wachsen meist in wenigen Zimmern mit vier bis sechs Geschwistern auf – ohne eigenen Schreibtisch oder andere Rückzugsmöglichkeiten.

Zu den sozialen Problemen kommen die kulturellen Unvereinbarkeiten. So sind muslimischen Jungen immer weniger bereit, von ihrer Erziehung abweichende Lebensformen zu tolerieren. Wohin das führen kann, beschreiben Schulpsychologen aus Wilmersdorf-Charlottenburg in einem aktuellen Fallbericht. Dort wird beschrieben, wie es zu einer Gewalteskalation kam, nachdem ein 15-jähriger muslimischer Schüler ein deutsches Mädchen wegen wechselnder Jungenbekanntschaften beleidigt hatte. Ihr damaliger Freund wollte das nicht auf sich beruhen lassen, woraufhin der muslimische Schüler den deutschen Jungen letztlich verprügelte, wobei er die ganze Gewaltszene auf Handy filmen ließ.

Auch hinter dem bekannt gewordenen Fall aus Kreuzberg, bei dem ein Schüler eine Lehrerin zu Boden schlug, spielte der kulturelle Hintergrund des Jungen offenbar eine entscheidende Rolle. Jedenfalls berichteten Lehrer, dass sich der Schüler von klein auf kaum etwas von weiblichen Lehrerinnen sagen lassen wollte, weil das nicht in das anerzogene Frauenbild passte. sve/tabu

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