Berlin : Seltsame Rechnung der BVG

Erst hat der Verkehrsbetrieb Abfindungen gezahlt. Jetzt sucht er Mitarbeiter

Klaus Kurpjuweit

Die BVG hat seit 2002 insgesamt rund 33 Millionen Euro an Abfindungen für Mitarbeiter gezahlt, die aus dem Dienst ausschieden – und jetzt fehlt dem Verkehrsbetrieb Personal im Fahrdienst. Von Anfang an hatten mehr Fahrer als erwartet von den von Jahr zu Jahr günstiger werdenden Abfindungsangeboten Gebrauch gemacht. Die durchschnittliche Abfindungshöhe für alle Mitarbeiter stieg von rund 50 000 Euro im Jahr 2002 auf mehr als 127 000 Euro in diesem Jahr. Seit 2002 haben insgesamt 773 Mitarbeiter die BVG verlassen; darunter waren 309 aus dem Fahrdienst. Dies teilte Staatssekretär Volkmar Strauch aus der Wirtschaftsverwaltung auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Oliver Schruoffeneger mit.

Der BVG-Vorstand hat die großzügigen Abfindungsregelungen aber auch genutzt, um sich von Mitarbeitern zu trennen, wenn deren Arbeitsplatz anschließend wieder besetzt werden musste. Maximal wurden in solchen Fällen bis zu 180 475,68 Euro gezahlt.

Dass jetzt rechnerisch 400 Fahrer fehlen, sei zu Beginn der Abfindungsregelungen nicht vorhersehbar gewesen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Auch ohne die ausgeschiedenen Mitarbeiter müsste die BVG heute wieder Fahrer einstellen. In dem in diesem Jahr nach langen Verhandlungen abgeschlossenen Tarifvertrag verzichten die Mitarbeiter nicht nur auf Geld, sie arbeiten auch weniger. Statt 39 Stunden sind es nur noch 36,5 Stunden. So entstand der Bedarf für 400 neue Fahrer.

Das Abfindungsangebot sei trotzdem richtig gewesen, so Reetz, weil die meisten der ausgeschiedenen Fahrer älter als 46 Jahre gewesen seien. Viele seien nach den Jahren in diesem harten Job nicht mehr fahrdiensttauglich gewesen und hätten weiter bezahlt werden müssen, aber nicht beschäftigt werden können.

Einen Teil der benötigten Fahrer wolle man unter den Angestellten der Verwaltung gewinnen, so Reetz weiter. Von den knapp 2400 Beschäftigten hätten mehr als 40 Interesse angemeldet. In Frage kämen nur Mitarbeiter, die jünger als 46 sind. Zudem müsse ihr bisheriger Arbeitsplatz ersatzlos wegfallen können. Wie viele dies sind, könne man nicht sagen.

Neue Fahrer sollten nur bei der BVG-Fahrtochter Berlin Transport eingestellt werden, fordert Claudia Hämmerling (Grünen). Dort erhalten die Beschäftigten rund 25 Prozent weniger Lohn als bei der BVG. Bewerben können sich auch ehemalige Mitarbeiter, die eine Abfindung erhalten haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben