Seltsame Sitten : Passanten machen Mauerstück zum Kaugummi-Grab

Immer mehr Kaugummis kleben an der Mauer am Potsdamer Platz. Die Ämter sind ratlos, viele Touristen fasziniert.

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Gummipocken. Ist das nun irre oder igitt? Das mit Kaugummis beklebte Mauersegment am Potsdamer Platz weckt bereits seit einem Jahr das Interesse der kauenden, klebenden und schauenden Passanten.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
12.07.2012 12:49Gummipocken. Ist das nun irre oder igitt? Das mit Kaugummis beklebte Mauersegment am Potsdamer Platz weckt bereits seit einem Jahr...

Conni Gastern, 18, steht vor dem Mauersegment am Potsdamer Platz und macht ein Foto, oder besser: ein Foto von all den Kaugummis auf der Mauer. Tausende dieser Flatschen kleben darauf. Weiße, blaue, gelbe, allesamt platt gedrückt. „Ich find’ das ja ziemlich witzig, eine coole Idee“, sagt die 18-jährige Touristin aus Nordrhein-Westfalen. Kurz hatte sie daran gedacht, ob auch sie ihr Kaugummi an die Mauer drückt, „aber ich fand das doch etwas eklig“. Diese klebrige Mauer ist die zweite Sehenswürdigkeit, die sie sich in Berlin angeschaut hat.

Eigentlich sollte es diese spezielle Touristen-Attraktion gar nicht mehr geben. Denn die Kaugummi-Plage kam vor einem Jahr über Berlin – gereinigt wurde die Mauer aber nie. Harald Büttner, Leiter des Bau- und Tiefplanungsamtes in Mitte, sagt: Die Zuständigkeit liege nicht beim Bezirk, sondern bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: „Wir haben der Stadtentwicklungsverwaltung den Tipp gegeben, die Kaugummis mithilfe von Vereisung zu entfernen“, sagt Büttner. „So haben wir das auf dem Alexanderplatz gemacht.“ Dort klebten die Kaugummis auf den Gehwegplatten. Die Reinigungsfirmen sprühten spezielles Vereisungsmittel auf die Kaugummiflatschen, diese verhärteten sich, im gefrorenen Zustand konnten sie schließlich einzeln abgekratzt werden. Das allerdings funktioniert nicht auf der alten Mauer: die würde sonst zerstört werden.

Als das Denkmal im vorigen August gereinigt werden sollte, konnten die Fachleute daher nichts gegen die Plage unternehmen. In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt heißt es nun: „Wir können nur an die Menschen appellieren, die Mauer nicht mehr zu bekleben – sonst wird Geschichte zerstört“, sagt Sprecherin Daniela Augenstein.

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