Berlin : Semesterticket – Potsdam macht es vor

Während in Berlin die Verhandlungen scheitern, setzt sich in Brandenburg der Studentenfahrschein durch

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Potsdam Die 19 000 Potsdamer Studenten haben in einer Urabstimmung für das Semesterticket gestimmt. Überwältigende 95 Prozent votierten für einen neuen, drei Jahre gültigen Vertrag mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB). Im kommenden Wintersemester zahlen die Studenten der Uni, der Fachhochschule und der Filmhochschule 119 Euro – derzeit sind es 115 Euro. Danach steigt der Preis stufenweise auf 128 Euro. Der AStA-Vorsitzende der Uni Potsdam, Martin Bär, freut sich, dass das Semesterticket so viele Studenten überzeugt hat. „Der Preis ist für jeden zumutbar und verträglich“, sagt Bär. Die Berliner Studenten können von einem solchen Angebot nur träumen. Denn die Potsdamer können in ganz Brandenburg und in Berlin gratis fahren.

Doch den 125 000 Berliner Studenten will der Verkehrsverbund diesen günstigeren Preis nicht anbieten. Argument: Sie fahren häufiger im dichten – und vergleichsweise teuren – Berliner Netz. Wie berichtet, hatten zwei Drittel der Studenten von Freier und Humboldt-Universität in der vergangenen Woche in einer Urabstimmung gegen den vom VBB vorgeschlagenen Preis von 141 Euro gestimmt. Stattdessen hatten sie mehrheitlich einen Preis von 118,50 Euro angekreuzt. Damit wird es das erst im Jahr 2002 eingeführte Ticket an den beiden großen Berliner Universitäten vorerst nicht mehr geben.

Den zweiten, deutlich niedrigeren Preis hatten die Studentenvertreter eigenmächtig und entgegen einer Absprache mit dem VBB zusätzlich zur Wahl gestellt. Der Verkehrsverbund beklagt sich nun über die „irreführende Abstimmung“ – will aber nicht erneut mit dem „Semtix“-Bündnis verhandeln. Denn 118,50 Euro sei außerhalb jeder Realität, hieß es – nur die Semtix-Organisatoren halten ihn für gerechtfertigt, was ihnen Kritik von allen Seiten einbringt. „Das haben die Semtix-Leute an die Wand gefahren“, sagt Jutta Matuschek, Verkehrsexpertin der PDS. Bei den Abstimmungen seien die Studenten in die Irre geführt worden. Auch SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler spricht von einer „vorgegaukelten Alternative“.

Zurzeit können 125 000 Berliner Studenten für 115 Euro pro Semester im Tarifgebiet ABC fahren, der VBB verlangt jetzt 141 Euro – das sind 23,50 Euro pro Monat. „23,50 Euro ist Studenten also zuzumuten“, heißt es bei den Koalitionsparteien SDP und PDS. Zahlen müssen alle Studenten, also auch Rad- und oder Autofahrer. Für den VBB ist das Angebot wegen der festen Einnahmen attraktiv. „Wir wollen das Semesterticket“, sagt VBB- Chef Franz, „aber der Preis ist nicht mehr verhandelbar“. Der VBB bittet die Studenten jetzt, eine neue Urabstimmung über die VBB-Preisvorstellung 141 Euro anzusetzen. Der Potsdamer AStA-Vorsitzende Martin Bär sagte, dass auch die 141 Euro vertretbar seien. Nun hätten die Berliner Studenten das Nachsehen.

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