Berlin : Semmelrogge ging direkt ins Gefängnis

Als Verkehrssünder bekam der Schauspieler zehn Monate Haft

Kerstin Gehrke

Grimmig zog Martin Semmelrogge aus dem Gerichtssaal. Kein Kommentar zu dem Urteil des Amtsgerichts Tiergarten kam über seine Lippen. Richterin Eva-Maria Fischer hatte gerade wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein eine Strafe von zehn Monaten Haft ohne Bewährung verhängt. Und der Schauspieler wusste, dass der Prozess nur die erste schlechte Nachricht des Tages war. Mit der zweiten kam es noch etwas dicker: Wegen einer anderen Spritztour ohne „Pappe“ sitzt der 48-Jährige seit gestern in Untersuchungshaft.

Semmelrogge war am Sonntagabend mit seiner Frau aus Mallorca eingeflogen. Am Flughafen Tegel wartete schon die Polizei auf ihn, um einen Haftbefehl aus Siegen zu vollstrecken. Dort soll der Schauspieler ebenfalls ohne Führerschein gefahren sein. Das war im Oktober, sechs Monate nach der Sache in Berlin, für die er sich nun verantworten musste. Richterin Fischer hatte es mit dem Prozess denn auch eilig. Die Verhandlung wurde um zwei Stunden vorverlegt – fast sah es aus, als sollte die Presse ausgebremst werden.

Kleinlaut saß Semmelrogge vor der Richterin. „Ich ärgere mich selber so wahnsinnig, will endlich Ruhe haben mit dem Ganzen und werde noch einmal zu meinem Arzt gehen“, nuschelte der Film- und Fernsehstar („Das Boot“, „Die Straßen von Berlin“). Am 8. April vergangenen Jahres war er kurz vor sieben Uhr am Reichpietschufer ohne Papiere und mit überhöhter Geschwindigkeit hinter dem Steuer eines Porsche erwischt worden. Da stand er als mehrfacher Verkehrssünder unter Bewährung.

Obwohl in Berlin bereits Anklage erhoben war, fuhr Semmelrogge im Mai in München und im Oktober in Siegen wieder ohne Führerschein. „Dreist“ nannte das der Staatsanwalt. Aus Sicht der Richterin hat der „klassische Bewährungsbrecher“ Semmelrogge nur noch eine Chance: „Halten Sie sich in Zukunft von allen Süchten – Drogen, Alkohol und auch Autofahren – fern.“ Immer wieder hätten Richter viel Rücksicht genommen. „Nun muss der Angeklagte wie jeder andere in den sauren Apfel beißen“, hieß es im Urteil.

Semmelrogge ist schon rund 30 Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In Prozessen hat er sich meist reuig gezeigt. Bisher kam er glimpflich davon. Damit ist es nun aus. Jetzt sitzt Semmelrogge in Moabit, bis er nach Siegen gebracht wird, um dort auf seinen Prozess zu warten.

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