Berlin : Senat baut Camp für junge WM-Fans

Im alten Poststadion können Hunderte übernachten CDU: Berlins Vorbereitungen sind nur „Kreisklasse“

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Während der FußballWM 2006 werden sich die Fan-Feste durch die ganze Innenstadt ziehen. Wie der Tagesspiegel erfuhr, plant der Senat im alten Poststadion – nördlich des Hauptbahnhofs – ein „Fancamp“, wo während der Weltmeisterschaft rund 2000 Anhänger in Zelten übernachten können. Die Angebote für Fans schlängeln sich dann „wie eine Perlenkette von Norden nach Süden“, sagt Berlins WM-Beauftragter Jürgen Kießling.

Auf dem Spreebogen werden die großen Leinwände für 80 000 Fans stehen, vor dem Brandenburger Tor wird der WM-Globus aufgebaut, im Süden feiern die Fans im Sony-Center vor einer Leinwand – und mittendrin, vor dem Reichstag, wird WM-Sponsor Adidas ein kleines Stadion für knapp 8000 Fans errichten. „Es wäre gut, wenn das klappen würde“, sagte gestern Fedor Radmann, der WM-Tourismusbeauftragte des Organisationskomitees (OK).

In der vergangenen Woche hatte das OK noch einen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geschrieben, der durchaus als Mahnung zu verstehen war. Der Brief war von OK-Präsident Franz Beckenbauer unterschrieben. Es gab ernsthafte Bedenken, Berlin lasse sich zu viel Zeit bei seinen WM-Projekten. Das OK befürchtet zudem, dass die Baustellen in der Innenstadt dem Image der WM schaden könnten. In diesem Zusammenhang warf der Vorsitzende der Berliner CDU-Fraktion, Nicolas Zimmer, dem Senat gestern amateurhaftes Verhalten vor. Die anderen WM-Städte seien „offensichtlich Weltklasse, Berlin ist dagegen Kreisklasse“, kritisierte er, nachdem das OK-Schreiben bekannt geworden war. Die FDP-Abgeordnete Mieke Senftleben sprach von einer „Laienspieltruppe“ im Senat und bemängelte „fehlende Kommunikation“ über den Stand der WM-Vorbereitungen.

Gestern hat Wowereit den OK-Brief beantwortet und Bedenken zurückgewiesen. Sogar Fedor Radmann vom OK zeigte sich über die jüngsten Entwicklungen in Berlin ein wenig erfreut. „Ich bin glücklich, dass der Globus auf dem Pariser Platz stehen wird.“ Das war erst möglich, nachdem die ARD jüngst den Bau ihrer WM-Zentrale vor dem Brandenburger Tor abgesagt hat.

Das nächste prominente WM-Projekt wird jetzt der Bau der Adidas-Arena sein. Am Donnerstag erst waren Firmenvertreter zu Verhandlungen in Berlin, heißt es in Bezirkskreisen. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat nach Senatsangaben sein Okay für den Standort gegeben. Im Bezirk heißt es, Adidas werde „rund zwei Millionen Euro“ für die spätere Sanierung der Grünfläche bereitstellen. In drei Wochen sei das Thema geklärt. Das Unternehmen, das sich gestern nicht äußern wollte, wird das Olympiastadion in kleinem Maßstab nachbauen und darin eine Leinwand installieren.

Sony-Center, WM-Globus, Adidas- Arena und Spreebogen: „Der Fan-Campingplatz am Poststadion setzt die Reihe im Norden fort“, sagt Berlins WM-Beauftragter Kießling, „außerdem sind die Hotels ausgebucht und für Jugendliche zu teuer.“ Die Fans sollen eine Gebühr zahlen und so die Sanierung der sanitären Anlagen refinanzieren. AG/mos

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