Berlin : Senat bleibt hart: Tempelhof wird geschlossen

Flughafengesellschaft sucht in Tegel nach Platz für den Geschäftsreiseverkehr und denkt dabei an den Bundeswehrbereich

Klaus Kurpjuweit

Der Senat bleibt auf seinem Kurs: „Der Flugbetrieb in Tempelhof wird aufgegeben – trotz aller Proteste“, sagte gestern Senatssprecher Michael Donnermeyer. Zuletzt hatte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, sich für ein Offenhalten von Tempelhof ausgesprochen und damit die Haltung zahlreicher großer Konzerne unterstützt. Etwa die Hälfte aller Flüge in Tempelhof sind Geschäftsflüge.

Deshalb gibt es zurzeit Versuche, auch diesen Bereich nach Tegel zu verlagern – wie es ihr bereits bei drei Linienfluggesellschaften gelungen ist. Platz könnte es im Nordteil des Flughafens geben, der derzeit von der Bundeswehr und für Regierungsflüge genutzt wird. Die Flughafengesellschaft hofft, Bundeswehr und Regierung eher zu einem (Teil-) Umzug nach Schönefeld bewegen zu können als Linienfluggesellschaften und Geschäftsreisende. Schließlich hat sich erst vor kurzem Kanzler Gerhard Schröder für den Ausbau Schönefelds eingesetzt. Und der Bund ist auch Miteigentümer der Flughafengesellschaft, die sich von ihrem derzeitigem Defizitbringer Tempelhof trennen will.

Die Tempelhof-Nutzer dagegen sind nur bereit, nach Tegel zu ziehen. Auf „die Baustelle“ Schönefeld wollen sie nicht. Nach der Luxair steht SN Brussels, wie berichtet, unmittelbar vor einem Umzug nach Tegel. Damit würde Tempelhof nach Angaben der Flughafengesellschaft 43 Prozent des bisherigen Verkehrs verlieren. Ob damit noch auf privater Basis ein Weiterbetrieb Tempelhofs möglich ist, wird bei Experten bezweifelt. Die Bewerber für den Weiterbetrieb – Germania, Cirrus und Windrose – könnten bei einem Zuschlag versuchen, Verkehr aus Tegel abzuwerben. Doch für lange Strecken, die mit großen Maschinen beflogen werden, ist Tempelhof kaum geeignet.

Die Bewerber haben gestern erneut die Luftfahrtbehörde um ein Gespräch zur Übernahme des Flugbetriebs gebeten. „Es hilft nichts, wenn wir uns gegenseitig Briefe hin und her schicken“, sagte Windrose-Geschäftsführer Thomas Stillmann. Im Gespräch könne man dann sofort klären, welche Punkte strittig sind. So könne man auch das Verfahren abkürzen. Viel Zeit bleibt ohnehin nicht, denn die Flughafengesellschaft will den Betrieb in Tempelhof Ende Oktober aufgeben. Dagegen laufen allerdings mehrere Klagen.

Vor allem für den Geschäftsreiseverkehr sei Tempelhof vorläufig unverzichtbar, sagte Stillmann, der selbst Geschäfts- und Privatflüge anbietet. Der Bundesverband mittelständische Luftfahrt, dessen Präsident Stillmann ist, erklärte gestern, bedeutende Medienereignisse, Konferenzen, Messen, Ausstellungen und auch Sportereignisse der nächsten Jahre seien kaum vorstellbar ohne die Tatsache, dass die Geschäftsluftfahrt dauerhaft ein geeignetes Umfeld habe, um den Ansprüchen der Wirtschaft an schnelle und unkomplizierte Verbindungen zu genügen.

Stillmann ist überzeugt, dass Tempelhof mit dem Geschäftsverkehr kostendeckend betrieben werden könne, wenn die Betreiber nicht mit der riesigen Immobilie belastet wären. Die Betriebskosten des Gebäudes liegen nach Angaben der Oberfinanzdirektion bei etwa sechs Millionen Euro im Jahr. Auch Senatssprecher Donnermeyer sieht in Tempelhof einen Standortvorteil für die Geschäftsführer, doch er sei zu teuer bezahlt. Der Senat wolle mit der Aufgabe des Flugbetriebs in Tempelhof niemanden ärgern, sondern die Ressourcen auf den Ausbau Schönefelds konzentrieren.

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