Senat fördert Berlins "Dörfer" : 165 Millionen für fünf Quartiere

Weil der Bund zusätzliche Millionen springen lässt, ernennt der Senat fünf neue Fördergebiete. Geld fließt nach Spandau und Reinickendorf, Lichtenrade und Köpenick – und in die Karl-Marx-Allee.

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Karl-Marx-Allee, Friedrichshain<a href="http://www.fensterzumhof.eu/" target="_blank">Henning Onken</a>

Zu den Gewinnern oder Verlierern im Wettbewerb der Quartiere zählen sie – je nach Sichtweise: Spandau und Reinickendorf liegen im Sozialatlas weit hinten, weil viele Bewohner erwerbslos sind und die Haushaltseinkommen gering. Dafür sind die Mieten dort günstig – und wo gibt es das sonst in Berlin?
Seit Dienstag zählen sie aber außerdem noch aus einem anderen Grund zu den Gewinnern, denn die Altstadt Spandau und die Residenzstraße in Reinickendorf erhalten Millionen aus Programmen zur Städtebauförderung – neben drei weiteren Viertel. Wer außerdem noch Geld erhält und was damit geplant ist, steht hier im Überblick.

Mehr Grün an der Karl-Marx-Allee in Mitte

Wie ein Reflex erscheinen bei diesem Namen die Bilder der Zuckerbäckerbauten aus jenen Jahren des Aufbaus, als die DDR noch aufwendig und kunstvoll baute. Aber nur ein kleiner Teil dieses Straßenzugs am Fuße jener Bauten wird mit dem Senatsbeschluss ins Programm „Aktive Zentren“ aufgenommen: Vom Springbrunnen am Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz reicht das „Fördergebiet“ und das Geld soll dazu dienen, den Mittelstreifen aufzuhübschen. Durchgefallen ist bei den 8500 Anwohnern des Quartiers laut Bausenator Andreas Geisel (SPD) der Vorschlag, die Autos komplett zu verbannen und Beete und Bäume einzupflanzen. Nun suchen die Planer nach einem Kompromiss, der die Stellplätze erhält, aber den Mittelstreifen außerdem grüner macht. Außerdem soll Geld in die Gutsmuts-Grundschule an der Singer-Straße fließen und in Spielflächen für Kleinkinder.

Mehr Leben in der Altstadt Spandau.

Historische Bauwerke, dazu noch hübsch am Wasser gelegen, Spandaus Altstadt ist eine unentdeckte Schöne.Bauruinen und leere Läden stören das eigentlich schöne Fassadenbild. Schuld daran ist das Shopping-Zentrum „Spandauer Arkaden“, wo alle einkaufen und dann den Weg unter der dunklen Bahnbrücke hindurch in die Altstadt scheuen. Dies zu ändern, „vielleicht durch ein Beleuchtungskonzept“, so Geisel und die Fußgängerzone in der Altstadt aufzuwerten, dazu bekommt Spandau die Förderung.

Ähnlich wie in Spandau hat auch der zentrale Marktplatz an der Dörpfeldstraße Konkurrenz durch große Einkaufszentren wie beispielsweise das „Forum Köpenick“ bekommen. Mit einem Teil des Geldes soll der Platz nun „qualifiziert“ werden, wie Geisel sich ausdrückt. Rund 5500 Menschen leben im Umfeld und profitierten davon.

Bahnhofstraße in Lichtenrade


Ein „Geschäftsstraßenmanagement“ und die Erhaltung inhabergeführter Läden in der Bahnhofsstraße stehen auf dem Wunschzettel in Lichtenrade. Weitere Bänke und die Aufhübschung des Straßenraums sollen die Atmosphäre im Quartier verbessern, damit sich wieder mehr Bewohner in der Straße aufhalten.

Residenzstraße in Reinickendorf

Ähnlich wie in der Bahnhofsstraße wollen die Planer den Verfall des Einkaufsmeile stoppen, etwa durch mehr Übergänge der Verkehrsschneise.

Allein in diese fünf Fördergebiete sollen 165 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren fließen, 30000 Menschen profitierten. Berlinweit erhalten 69 Gebiete mehr Hilfen, um schöner zu werden.

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