Berlin : Senat hält Gefahr einer Vogelgrippe für „mäßig bis hoch“

Das Parlament diskutiert über die Tierseuche Opposition kritisiert mangelnde Information

Ulrich Zawatka-Gerlach

Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) ist gestern dem Vorwurf entgegengetreten, ihre Verwaltung informiere zu wenig über die näher kommende Vogelgrippe. Dies haben in der Aktuellen Stunde des Abgeordnetenhauses die Oppositionsfraktionen CDU, Grüne und FDP behauptet. „Was soll man tun, wenn sich eine Taube in den Hausflur verirrt?“, fragte der FDP-Abgeordnete Rainer-Michael Lehmann. „Was ist mit den Krähen, die aus Russland kommen?“, wollte anschließend der SPD-Abgeordnete Andreas Pape wissen.

„Und wer hat die Federführung bei einer Katastrophe?“ Mit dieser Fragestellung erzeugte der CDU-Politiker Ulrich Brinsa bei den Parlamentskollegen allerdings eher Heiterkeit. „Lassen wir die Hühner im Stall und die Kinder auf dem Spielplatz“, forderte die Grünen-Abgeordnete Elfi Jantzen. Abseits solcher Bonmots waren sich die Redner aller Fraktionen einig, dass Panikmache unangebracht sei. Einige Zeitungen wurden kritisiert – wegen unsachlicher Berichterstattung, die die Menschen unnötig beunruhige.

Senatorin Knake-Werner gab vor dem Parlament die Parole aus: „Die gefühlte Bedrohung ernst nehmen, die tatsächliche Bedrohung auf ihren wahren Kern zurückführen.“ Das Problem seien nicht zu wenige Informationen über die Vogelgrippe, sondern eine unüberschaubare Fülle von Nachrichten, die eine Aufklärung der Bevölkerung erschwere. Gesundheitliche Gefahren bestünden für die Berliner Bevölkerung zurzeit nicht. Alle Geflügelprodukte, die auf dem Markt seien, könnten – gut gegart – verzehrt werden. Und sollte die Tierseuche doch nach Berlin kommen, sei man gut gerüstet.

Das Risiko, dass die Seuche eingeschleppt werde, sei „mäßig bis hoch“, sagte Knake-Werner. Berlin werde sich an den bundes- und EU-weit koordinierten Maßnahmen orientieren. „Insellösungen machen keinen Sinn.“ Die illegale Einfuhr von Vögeln bleibe aber weiterhin ein hohes Risiko, trotz der verstärkten Kontrollen. Für den Fall, dass die Vogelgrippe in Berlin ausbricht, gibt es einen Maßnahmeplan des Senats, der vom Aufstellen von Warnschildern über die Einrichtung von Sperrbezirken bis zur Tötung des infizierten Federviehs reicht.

Gestern kam das Abgeordnetenhaus noch ohne Warnstufe aus. Ingeborg Simon von der Linkspartei erinnerte vorsorglich an die jetzt anfallenden „Vorhaltekosten“, deren Finanzierung ungeklärt sei. Sämtliche Redner rieten zu Ruhe und Besonnenheit. Sie waren sich einig, dass es sinnvoll sei, sich jetzt gegen die ganz normale Grippe impfen zu lassen.

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