Berlin : Senat offenbar einig - Denkmalgeschützte Halle wird Puck-Arena

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Nach langem Tauziehen sind gestern im Senat offenbar die Würfel zur Zukunft der Deutschlandhalle gefallen. Die seit Ende 1997 geschlossene, unter Denkmalschutz stehende Halle soll zur Eissporthalle umgebaut werden. Der Senatsbeschluss wurde jedoch mangels entscheidungsreifer Vorlage vertagt und von Senatssprecher Butz für nächsten Dienstag angekündigt.

Im Senat gebe es "eine Mehrheit für die Erhaltung der Deutschlandhalle", sagte Butz. Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) habe seine Abriss-Überlegungen, die auf Wünschen der Messe-Gesellschaft beruhten, "ausdrücklich zurückgestellt". Branoner ist Aufsichtsratsmitglied der Messe-Gesellschaft. Der Umbau zur Mehrzweckhalle ist vom Tisch. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) hatte dafür gekämpft, konnte aber kein überzeugendes Konzept vorlegen. Er lehnte es gestern ab, sich zu äußern und verwies auf die "Federführung Branoners".

Butz sprach von zwei "Prioritätsentscheidungen" nach ausführlichen Diskussionen im Senat. Danach ist erstens der Abriss der alten Eissporthalle in der Jafféstraße "unstrittig", weil sie dem Bau eines neuen Eingangs zum Messegelände und damit der "Verbesserung des Messestandortes" im Wege steht. Zweitens brauchen die Berlin Capitals eine Eissporthalle als Ersatz.

Die Kosten für den Umbau der Deutschlandhalle zur Eissportarena bezifferte der Senatssprecher auf 20,9 Millionen Mark. Die Messe Berlin wolle sich mit etwa sieben Millionen Mark daran beteiligen, sagte Butz, obwohl ihr der Abriss auch dieser Halle zu Gunsten von Parkplätzen am liebsten wäre. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) will nun vor dem Senatsbeschluss mit Sportsenator Klaus Böger (SPD), Branoner und Strieder über die Aufteilung der Kosten ein Einigungsgespräch führen. Auch über die Zahl der Plätze und den Betreiber machte Butz noch keine Angaben.

Branoner und Diepgen hatten sich bereits im März 1999 für den Umbau zur Eissporthalle ausgesprochen. Strieder hatte als Investor für eine Mehrzweckhalle die Augsburger Walter Bau AG ausgeguckt, die auch das Olympiastadion saniert. Von dem Baukonzern sei nur zu hören, dass er " noch Zeit brauche", sagte Butz. Der Umbau zur Mehrzweckhalle würde ungleich teurer werden. Walter Bau hatte 70 bis 80 Millionen Mark genannt. Der für Denkmalschutz zuständige Strieder bekomme nun "insofern Recht, als dass er sich immer für die Erhaltung der Deutschlandhalle eingesetzt hat", meinte Butz. Der Senat hatte Ende 1997 den Abriss der Deutschlandhalle und die Schließung beschlossen. Das Parlament hatte sich aber für die Erhaltung der denkmalgeschützten Halle ausgesprochen. Sie war im Krieg zerstört und 1957 wieder eröffnet worden.

Unterdessen äußerte sich der Eishockey-Club Berlin Capitals enttäuscht über die Vertagung der Senatsentscheidung. Nur wenn der endgültige Beschluss noch in diesem Halbjahr falle, habe der Club Planungssicherheit, sagte Aufsichtsratsmitglied Joachim Börner dem Rundfunksender Hundert,6. Derzeit sei unklar, wo die Capitals in der Saison 2001 / 2002 spielen werden. Zugleich kritisierte Börner, dass der Verein zuletzt nicht mehr in die Überlegungen des Senats einbezogen worden sei.

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