Berlin : Senat: Specker hat für Wasserbetriebe gute Arbeit geleistet

Tempodrom-Förderer und SPD-Sponsor sitzt auch im Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft GSW

Ulrich Zawatka-Ulrich

Der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Uwe Goetze hat den Senat gestern aufgefordert, die Ernennung des ehemaligen Bauunternehmers Roland Specker als Aufsichtsrat der Berliner Wasserbetriebe (BWB) rückgängig zu machen. Schließlich ermittle die Berliner Staatsanwaltschaft „im Umfeld mit SPD-Spenden“ gegen ihn. Auch die Grünen sind empört über die Berufung, die am Dienstag – auf Vorschlag der Wirtschaftsverwaltung – ohne Diskussion vom Senat beschlossen wurde. „Wir gehen davon aus, dass Specker gute Arbeit geleistet hat“, begründete Senatssprecher Michael Donnermeyer die Entscheidung.

Selbst SPD-Fraktionschef Michael Müller äußerte Unbehagen. Obwohl die Besetzung des BWB-Aufsichtsrats dem Vernehmen nach seit Wochen koalitionsintern abgesprochen war. Seit einem halben Jahr steht der Gründer der „Specker Bauten AG“ unter öffentlichem Druck. Damals wurde bekannt, das er im Oktober 2001 eine SPD-Wahlparty sponserte. Es ging um die Verköstigung im VIP-Bereich; die Rechnung der Catering-Firma wurde als Repräsentationsaufwand für eine Olympiabewerbung Berlins verbucht. Und dann gab es ein Fundraising-Dinner, das eine Unternehmerinitiative im August 2001 zugunsten des SPD-Spitzenkandidaten organisiert hatte. 2000 Euro gab damals die Berlinwasser Holding dazu, unter dessen Dach die teilweise landeseigenen Wasserbetriebe sitzen. Mitveranstalter des Essens war Specker, der seit Jahren im BWB-Aufsichtsrat sitzt.

Dennoch weist Specker bis heute alle Beschuldigungen zurück, strafbare Handlungen begangen zu haben oder seine Spendentätigkeit mit der umstrittenen Förderung des Tempodrom verknüpft zu haben. Für den Tausendsassa, der in Wirtschafts- und Kulturkreisen mit großer Begeisterung Netzwerke strickt, um spannende Projekte voranzubringen, ist mit den öffentlichen Angriffen gegen seine Person eine Welt zusammengebrochen. Die Anteile an seiner Firma hat er im April verkauft; sie wurde in Cenda Invest AG umbenannt. Aber sein Büro am Gendarmenmarkt, das Specker im April 1996 gemeinsam mit Werner Gegenbauer – dem Ex-Chef der IHK – gründete, hat er nicht aufgegeben. Denn Specker ist auch Aufsichtsrats-Chef des Wohnungsunternehmens GSW. Besser bekannt wurde er durch seine kulturellen Aktivitäten. So trieb er 1995 die Reichstagsverhüllung durch Christo und Jeanne Claude erfolgreich voran. 2001 bot er mit Gegenbauer und dem Unternehmensberater Nikolaus Fuchs an, drei Millionen Mark für eine Olympiabewerbung 2012 aus der Wirtschaft einzuwerben. Im Förderverein der „Berlinischen Galerie“ engagierte sich Specker für die Wiedereröffnung der Gemäldesammlung. Den Golf- und Land-Club Wannsee hegt und pflegt er seit Jahren als Präsident. Im Freundeskreis des Hebbel-Theater war er Mitglied und im Förderkreis der Deutschen Oper ist Specker tätig, wieder gemeinsam mit Gegenbauer. Schon im März 2000 hatte er mit dem „Event-Profi“ Christoph Hagel ein Konzept zur Rettung des Metropol-Theaters vorgelegt. Ex-Kultursenator Volker Hassemer (CDU) gewann Specker als Berater für den Bau des neuen Tempodrom. Das ging daneben.

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