Berlin : Senat stimmt zu: Umstrittenes Metro-Netz kommt

BVG-Konzept gilt ab 12. Dezember. Trotz der Proteste fallen die Buslinien 341 und 348 weg, im Zentrum wird das Angebot verbessert

Klaus Kurpjuweit

Über das neue „Metro-Netz“ der BVG haben sich viele Berliner aufgeregt – nun hat der Senat das Paket akzeptiert. Nach Tagesspiegel-Informationen hat die Stadtentwicklungsverwaltung das Konzept „BVG 2005 plus“ mit wenigen Änderungen übernommen. Eingeführt wird es am 12. Dezember. Gestrichen werden nun auch die Linien 341 und 348, für die tausende Fahrgäste gekämpft hatten.

In ihrem neuen Kernnetz, das sich vor allem auf das Zentrum konzentriert, verbessert die BVG meist ihr Angebot. Im Ergänzungsnetz dagegen müssen Fahrgäste in Zukunft oft länger als heute auf einen Bus warten oder häufiger umsteigen – vor allem in den Außenbezirken. Für viele wird in beiden Netzen der Weg zur nächsten Haltestelle länger, denn einen dichteren Takt mit häufiger fahrenden Bussen erreicht die BVG vor allem durch die Konzentration der Linien auf Hauptverkehrsachsen. In vielen Straßen gibt es dann gar keinen Bus mehr.

Neu sind 24 „ Metrolinien“ bei der Straßenbahn und beim Bus. Sie sollen 20 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und tagsüber mindestens alle zehn Minuten fahren. Vom neuen Kernnetz mit den Metrolinien sollen laut BVG 87 Prozent der Berliner profitieren. Im heutigen U- und S-Bahn-Netz seien es 73 Prozent.

Durch „Taktausdünnungen“ müssten 3,9 Prozent aller Berliner länger als heute auf einen Bus oder eine Straßenbahn warten, hat die BVG exakt ausgerechnet. Und nur 0,03 Prozent sollen durch den Wegfall von Streckenabschnitten Nachteile haben.

Bei ihnen sieht das in der Praxis zum Beispiel dann so aus: Heute verbindet die Buslinie 341 noch den U-Bahnhof Turmstraße direkt mit dem Flughafen Tempelhof. Die Fahrtzeit auf der Route mit vielen Schlenkern beträgt heute tagsüber rund 40 Minuten. In Zukunft erreicht man zwar in 27 oder 30 Minuten sein Ziel; doch dafür muss man zwei oder sogar drei Mal umsteigen.

Ähnlich sieht es auch bei der Linie 348 aus, für deren Fortbestand sich vor allem Schmargendorfer eingesetzt hatten. Der 348 verbindet den U-Bahnhof Breitenbachplatz mit dem S-Bahnhof Storkower Straße und führt dabei über den Potsdamer Platz und den Alex. Wer in Zukunft aus Schmargendorf zur Philharmonie will, muss ab Dezember vom Breitenbachplatz mit dem Bus 282 zum U-Bahnhof Schloßstraße fahren und von da mit dem 148er zur Philharmonie. Die Fahrzeit verlängert sich um vier auf 27 Minuten.

Als Alternative bieten die Fahrplanmacher auch die Verbindung mit der künftigen U 3 zum Wittenbergplatz an, wo man dann mit der U 2 zwei Stationen weiter bis zum U-Bahnhof Bülowstraße fahren muss, um dort in den 148er Bus umzusteigen. Vor allem für ältere Fahrgäste ist das Umsteigen lästig – und sie erreichen oft einen Bahnsteig der U-Bahn nur schwer, weil viele Stationen – wie Breitenbachplatz – keinen Aufzug haben. Vor der Einführung des neuen Konzepts will die BVG jetzt die Haushalte informieren. Für Änderungen ist es dann aber zu spät. Doch die BVG hat bereits versprochen, dass sie ihr Konzept bei Bedarf nachbessern werde.

Informationen zum neuen Fahrplan gibt es bereits jetzt im Internet unter: www.vbb-online.de

www.bvg.de

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