Berlin : Senat will Hilfe für Problemkieze verstärken

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Mit jährlich rund sechs Millionen Euro will der Senat 18 neue städtische Problemgebiete fördern. Stadtentwicklungssenatorin IngeborgJunge-Reyer (SPD) sprach gestern von einer „strategischen Neuausrichtung des Quartiersmanagements.“ Es solle „nichts von oben nach unten verordnet werden.“ Von den bisherigen typischen 17 Quartiersmanagement-Gebieten, unterstützt mit über 15 Millionen Euro im Jahr, fallen künftig drei aus der gewohnten Förderung.

Die Werner-Düttmann-Siedlung an der Kreuzberger Urbanstraße gilt als Modellfall. Geplant für 2000 Bewohner, ist sie mit 3500 „übervölkert“. Morgens türmt sich der Müll, viele Hausflure sind beschmiert, Bewohnern fehlt es an Gemeinsinn. Auffallend hoch ist die Ausländer- und Arbeitslosenquote. Bislang gab es kein Quartiersmanagement. Die Senatorin will hier Eigeninitiativen „bündeln“ und Bewohner, Hauseigentümer, freie Träger, auch benachbarte Firmen, beim neuen „Stadtteilmanagement-Verfahren“ zum Mitmachen motivieren.

Die Siedlung aus den achtziger Jahren gehört zu den neuen Problemgebieten, auch der Mariannenplatz in Kreuzberg, das Falkenhagener Feld in Spandau, der Neuköllner Körnerpark oder der Kreuzberger Mehringplatz. Am Falk- und am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg hat sich nach Ansicht der Verwaltung die Situation dagegen ebenso verbessert wie am Boxhagener Platz in Friedrichshain–Kreuzberg. Hier sei kein typisches Quartiersmanagement mehr nötig.

Mit der Hilfe für die Düttmann-Siedlung wurde bereits vor einem Jahr begonnen. Die Arbeit trägt, wie auch am Mariannenplatz, erste Früchte. Der morgens überbordende Müll wird tagsüber von einem Jugendwohnprojekt beseitigt. Hier lassen sich junge Siedlungsbewohner auch im Hausservice ausbilden, pflegen Wege und Grünanlagen. Der Hauseigentümer, die Condex-Liegenschaftsgesellschaft, hat unter anderem einen Sicherheitsdienst beauftragt. Viele Graffiti-Schäden wurden beseitigt. Rund 15 freie Träger, auch das Nachbarschaftshaus Urbanstraße, arbeiten am Ort, helfen etwa bei Schularbeiten. Eine „Qualifizierungsetage“ mit Computerkursen ist geplant, eine leere Kneipe wird bald zum Begegnungsplatz. Aus Mietern, hieß es, sollen Nachbarn werden.C. v. L.

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