Berlin : Senat will kein Geld geben, aber "mehr Planungssicherheit" gewähren

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Nach dem Erfolg der Millenniumsfeier hat der Senat "großes Verständnis" für den Wunsch von Willy Kausch, dem Cheforganisator der Feiermeile Unter den Linden, für die nächsten Silvesterfeste einen dreijährigen Vertrag zu schließen. Das versicherte Senatssprecher Michael Andreas Butz dem Tagesspiegel. Der private Veranstalter, die Silvester in Berlin GmbH (SiB), brauche mehr Planungssicherheit. Er müsse längerfristige Verträge abschließen können. Auch internationale Künstleragenturen arbeiteten mit einem Vorlauf von zwei bis drei Jahren.

Vor einem längerfristigen Vertrag mit Kausch müssten sich jedoch alle Beteiligten an einen Tisch setzen, also der Senat, Kausch und die Bezirke Mitte und Tiergarten, sagte Butz. Man müsse "die bisherige Organisation auswerten, über die Modalitäten und mögliche Verbesserungen reden". Butz sagte dem Veranstalter die Unterstützung des Senats zu. Zwar wolle der Senat die Feier nicht mitfinanzieren, aber er gewähre Unterstützung unter anderem in Form von Ordnungskräften.

Mittes Baustadtrat Thomas Flierl (PDS) kündigte hingegen am Montag bereits Widerstand an. Zusammen mit seinem Amtskollegen aus Tiergarten, Horst Porath (SPD), wolle er Einvernehmen darüber erzielen, dass Großveranstaltungen wie die Silvesterfeier für die Innenstadt nicht verträglich seien. Flierl befürchtet, dass die Stadt langfristig zur Feierkulisse wird. Den finanziellen Gewinn für die Stadt zieht der Dezernent in Zweifel: Berlin sollte auch die Nebenkosten, die entstehen, durch den Einsatz von Ordnungskräften, der Stadtreinigung und dem verstärkten Einsatz des öffentlichen Nahverkehrs gegenrechnen, sagte er dem Tagesspiegel. Flierl beklagte außerdem, dass Kausch die vertraglich für Dezember vereinbarte Zahlung von 275 000 Mark an Gebühren noch nicht entrichtet habe. SiB-Geschäftsführer Willy Kausch hatte im Tagesspiegel-Interview einen Vertrag über drei Jahre für die Silvester-Veranstaltungen gefordert, um besser Sponsoren gewinnen zu können. Er hat die Kosten der Millenniumsparty, die auf 40 Millionen Mark geschätzt werden, komplett privat finanziert. Darunter fielen Kausch zufolge auch eine Million Mark für Straßengebühren.

Den Vorschlag Kauschs, für bestimmte Bereiche Eintritt zu erheben, lehnte Butz jedoch entschieden ab: "Silvester in Berlin muss ein Fest für alle bleiben." Deshalb müsse es auch bei der Privatfinanzierung bleiben. Kausch hatte im "Tagesspiegel" vorgeschlagen, bestimmte Bereiche wie bei Konzerten abzusperren, damit kein Gedränge herrsche, und dafür einen "symbolischen Eintrittspreis" von zwei Mark zu verlangen, der dann gespendet werde.

Der Erfolg der Millenniumsparty hat nach Ansicht des Senats die Erwartungen übertroffen. "Berlin hat allen Grund, eine positive Bilanz zu ziehen, Silvester in Berlin hat Zukunft", meinte Butz. Das Fest sei bereits seit Mitte der 90er Jahre sehr attraktiv und habe schon jetzt Traditionswert. Die größte deutsche Feier mit zwei Millionen Besuchern habe überall Akzeptanz gefunden und sei auch für die Berliner Wirtschaft von durchschlagender Bedeutung. Butz lobte die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz für ihre Arbeit auf der 4,5 Kilometer langen Festmeile zwischen Siegessäule und Rotem Rathaus: "Das war wirklich souveräne Hauptstadtarbeit."

Auch die Berliner Polizei konnte eine gute Bilanz der "Nacht der Nächte" ziehen. Sie zählte nach Angaben eines Sprechers zwischen 19.00 Uhr und 07.00 Uhr am Neujahrsmorgen insgesamt 2272 Einsätze - nur acht mehr als im Vorjahr. 76 (1998/99: 106) Menschen wurden bei 243 (239) Streitigkeiten und Schlägereien verletzt. Bei 297 (370) Einsätzen wegen Feuerwerkskörpern zählte die Polizei 41 (31) Verletzte, dazu kamen 215 (419) Sachbeschädigungen. Das DRK leistete auf der Feiermeile mehr als 2400 Mal Hilfe und brachte 221 Menschen in Krankenhäuser. Vier Menschen kamen bei Unfällen ums Leben, die allerdings nicht mit den Silvesterfeiern zusammenhingen.

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