• Senat will Lichtenrade beim Kampf gegen Bahn helfen - Tunnel für reaktivierte Eisenbahnstrecke gefordert

Berlin : Senat will Lichtenrade beim Kampf gegen Bahn helfen - Tunnel für reaktivierte Eisenbahnstrecke gefordert

Klaus Wieking

Die Dresdener Bahn kommt - oder doch nicht? Diese Fragen standen am Dienstagabend im Mittelpunkt einer Diskussion, zu der die Lichtenrader Bürgerinitiative "Dresdener Bahn" eingeladen hatte. Deutlich wurde, dass die Bahn AG daran festhält, die Strecke durch Lichtenrade oberirdisch zu führen. Ebenso deutlich machten die Anwohner ihren Protest gegen diese Bauvariante. Sie fordern einen Tunnel. Unterstützt werden sie dabei vom Senat, wie der Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD), versicherte: "Mit unseren Juristen werden wir Ihnen helfen."

"Unglaublich", "ungeheuerlich", "unmenschlich" - die rund 100 Lichtenrader, die an der Versammlung teilnahmen, waren um starke Wort nicht verlegen, um zu zeigen, was sie von den Plänen der Bahn AG halten. Mitten durch ihren Ort sollen künftig auf den reaktivierten Gleisen in Richtung Dresden Güter- und Personenzüge sowie alle 20 Minuten der Airport-Shuttle zum Großflughafen Schönefeld rollen. Wegen der oberirdischen Trassenführung fürchten die Anwohner die Zerschneidung, letztlich die Zerstörung ihres Ortsteils. An die Spitze des Protestes hat sich die aktive Bürgerinitiative "Dresdener Bahn" gesetzt, die dieses Projekt zwar grundsätzlich befürwortet, aber für Lichtenrade eine unterirdische Streckenführung, einen Tunnel fordert.

Obwohl sich das Land Berlin bereit erklärt hat, zur Finanzierung der Tunnel-Lösung 62 Millionen Mark zuzuschießen, lehnt die Bahn AG eine solche Lösung weiter ab, wie der Bahnbeauftragte für Berlin, Peter Debuschewitz, verklausuliert erklärte. Die Bahn, durch die Kostenexplosion bei ihren Berliner Projekten ohnehin schwer in Bedrängnis, fürchtet, mit der Untertunnelung in Lichtenrade einen Präzedensfall zu schaffen, auf den sich Kommunen in ganz Deutschland berufen könnten. Das könnte teuer werden. Deshalb wird sie beim nach der Sommerpause anstehenden Auslegungsverfahren die oberirdische Variante vorstellen.

Mit ihrer Haltung bringt die Bahn AG den Senat schwer in Bedrängnis. Er will die Dresdener Bahn vor allem wegen der Anbindung zum Flughafen Schönefeld. Dies sei von gesamtstädtischer Bedeutung, sagte Senator Strieder. Die oberirdische Trassenführung lehne das Land Berlin aber als "stadtzerstörerisch" ab. Mit einer Doppelstrategie will das Land deshalb weiter vorgehen. Seine zwei Jahre währende Blockade gegen das rechtlich ohnehin zwingend vorgeschriebene Auslegungsverfahren der Pläne für die Dresdener Bahn brach das Land jetzt ab, da es fürchtet, dass sich die Bahn AG insgesamt von dem Projekt verabschieden könnte. Die Bahn wolle bei ihren Projekten abspecken, erklärte Senator Strieder. Dies könne auch die Dresdener Bahn betreffen.

Gleichzeitig will Berlin mit Kommunen, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, gegen die oberiridische Variante mobil machen und beim Auslegungsverfahren kräftig eingreifen. "Wir sind jetzt in einer aktiven Rolle", sagte Peter Strieder fast beschwörend. Die Chancen, dass im Genehmigungsverfahren eine oberirdische Streckenführung rein- und eine unterirdische rauskommt, sind jedoch äußerst gering, wie Mitdiskutant Klaus Wowereit, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, betonte. Bleibt der Klageweg. Hierbei plane der Senat, die Bürgerinitative mit juristischen Sachverstand zu unterstützen, versprach Senator Strieder.

Die Initiative will jedenfalls nicht aufgeben. Der Versuch, die Bürger auf den langen Verfahrenswegen sich müde laufen zu lassen, werde scheitern, meinte Manfred Beck, einer der Sprecher der Initiative. "Das wird nicht geschehen." Zumindest symbolisch hat die Initiative schon einen Sieg errungen: Sie erhielt den Bürgerpreis 1999 des Bezirks Tempelhof.

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