Berlin : Senat wirft „Babylon“ Panikmache vor

Das Filmkunsthaus wird erhalten – aber nur mit einem neuen Betreiber

Judith Jenner

Die Senatskulturverwaltung sucht für das Filmkunsthaus Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz einen neuen Betreiber. In den nächsten Tagen wird ein so genanntes Interessenbekundungsverfahren eingeleitet, das heißt, Interessenten können sich für die Nachfolge des „Berliner Filmkunsthaus Babylon e.V.“ als Betreiber bewerben. Von einer drohenden Schließung des traditionsreichen Kinos könne keine Rede sein, sagte Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung.

Filmfans waren schockiert, als es vergangene Woche aus dem Verein hieß, das Kino müsse Anfang Dezember schließen, sofern ein auf mehrere 10000 Euro aufgelaufener Fehlbetrag nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann. Die Kulturbehörde bestreitet das. „Wir haben die Betreiber mehrmals gebeten, ein Konzept vorzustellen, das mit den jährlich 320 000 Euro des Senats auskommt“, sagt Wöhlert. „Der Verein schürt Panik, indem er behauptet, das Kino solle schließen. Wir suchen nur nach einem anderen Betreiber.“ Interessenten gebe es bereits.

Kinoleiterin Sabine Lenkeit hält dagegen, dass man seit der Haussanierung vor drei Jahren 21 000 der 26 000 Euro monatlicher Subvention für die Betriebskosten ausgeben müsse. „Das Problem hätte auch der neue Betreiber“, sagt Lenkeit. Bislang konnten Mietrückstände und andere aufgelaufene Kosten durch den Senat beglichen werden. „Wir können nicht ewig Geld zusammenkratzen“, entgegnet Wöhlert. Die Senatsgelder seien an programmatische Vorgaben gebunden.

Vor einer ähnlichen Situation wie das Babylon stand zeitweise auch das Arsenal am Potsdamer Platz. Gründer Ulrich Gregor hält es für grundsätzlich schwierig, mit den eher geringen Landesmitteln auszukommen: „Miete und hohe Verleihgebühren etwa für historische Filme können schnell zu einer defizitären Lage führen, wenn man ein anspruchsvolles Programm bieten will.“ Das Arsenal wird seit einem Jahr vom Bund gefördert und ist heute vergleichsweise gesichert. Davor erhielt es als kommunales Kino wie das Babylon Unterstützung von Berlin. „Die Summe, die wir bekommen, ist etwa doppelt so hoch wie beim Babylon. Dafür haben wir mit mehr Personal und einem anderen Programm auch höhere Ausgaben“, sagt Gregor.

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