Berlin : Senat zeigt Anwohnern, was eine Harke ist

Land leitet Geld für Parkanlagen in ärmere Bezirke um. Bürger in wohlhabenden Gebieten sollen selbst für Frühlingsblüte sorgen

Klaus Kurpjuweit

Der Frühling kommt bestimmt, früher oder später, aber in Berlin wird es in diesem Jahr nicht überall blühen. Wo in den vergangenen Jahren noch Jungpflanzen sprießen konnten, wird es nichts zu sehen geben. Und wo einst Rosen blühten, wird allenfalls noch Gras wachsen. Wer die Farbenpracht in einer Parkanlage bisher von einer bequemen Holzbank aus bewundern konnte, wird nur noch auf einer einfachen Plastikbank sitzen können. Und das Gras wird höher wuchern, denn gemäht wird nur noch, wo es die Verkehrssicherung erfordert. Schöner kann die Stadt nur werden, wenn Anwohner selbst anpacken – oder ihren eigenen Gärtner fürs öffentliche Grün abstellen. Zumindest in den gut situierten Bezirken. Denn dort wird in den kommenden Jahren das Geld für die Pflege der Grünanlagen fehlen.

Der Senat leitet einen großen Teil der bisher gewährten Zuschüsse innerhalb des Programms „Wertausgleich Grün“ von wohlhabenden in ärmere Gebiete um. Entscheidend für die Höhe der Zuschüsse sind nun die Sozialdaten und nicht mehr der Wert einer Anlage. So fehlen in Steglitz-Zehlendorf nach Angaben von Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) künftig rund 500 000 Euro für die Grünpflege. In dieser Woche wolle man beraten, „was wir uns wo noch leisten können“, so Stäglin. Klar sei: „Die Anlagen werden nicht mehr so schön sein wie in der Vergangenheit.“ Dabei gebe es schon jetzt Klagen über mangelhafte Pflege, denn die Zahl der Mitarbeiter wurde bereits reduziert.

Stäglins Kollege aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), weiß bereits, dass es auf den meisten Gehwegen keine Pflanzschalen mehr geben wird. Auch auf Mittelstreifen wie am Hohenzollerndamm werden Beete fehlen. Und in Parks, in denen bisher vier Mal im Jahr gepflanzt worden ist, gibt es jetzt vielleicht noch einmal im Jahr neue Pflanzen. Ausgenommen davon bleibt zumindest vorläufig der Kurfürstendamm. Um wenigstens die als Gartendenkmal ausgewiesenen Anlagen einigermaßen in Schuss halten zu können, will der Bezirk nun für andere Anlagen weniger Geld ausgeben. Dort wird dann nur noch gemäht. Und das auch nur, wenn es aus Sicherheitsgründen erforderlich sei, wie Gröhler sagte. Zumindest für die Gartendenkmale fordert er ein Sonderprogramm. Zu ihnen gehören unter anderem der Savignyplatz, der Brixplatz, der Karolingerplatz und auch der Mierendorffplatz.

Gröhler und Stäglin hoffen, dass Anwohner verstärkt Grünanlagen pflegen. Wer den Rasen vor dem Haus mähe, könne auch das Gras der Baumscheiben vor dem Grundstück kürzen, so Stäglin. Am Brixplatz und am Lietzenseepark in Charlottenburg haben Bürger bereits gezeigt, dass sie wissen, was eine Harke ist.

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