Berlin : Senator Böger verteidigt Lehrer-Casting

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Zu spät, chaotisch und gegen die geltenden Richtlinien: Einen Tag, nachdem bekannt wurde, dass die Bildungsverwaltung Bewerber für freie Lehrerstellen in Zehnergruppen zu Vorstellungsgesprächen in einer Art KurzCasting eingeladen hat, hagelte es Kritik. „Die Verwaltung ist offensichtlich von den Sommerferien überrascht worden“, sagte Mieke Senftleben, bildungspolitische Sprecherin der FDP. „Ich verstehe die Aufregung nicht“, sagte Bildungssenator Klaus Böger (SPD), „Prognosen darüber, wie viele Lehrer man braucht, sind nun einmal komplizierte Vorgänge in Berlin“.

So sei eben jetzt erst klar geworden, dass voraussichtlich insgesamt 250 neue Lehrer eingestellt werden können. Mehr als 156 fehlen noch. Genau wisse er das aber immer noch nicht, da nicht klar sei, wie sich im neuen Schuljahr die Schülerzahl auf die öffentlichen und auf die privaten Schulen verteilt und wie viele Lehrer zu Beginn des Schuljahrs krank sein werden. „Ich bin jedenfalls froh, dass schon in den Ferien eingestellt wird“, sagte Böger. Sonst hätte man die „Nachsteuerung“ im laufenden Schuljahr vornehmen müssen. Zur kurzen Dauer der Bewerbungsgespräche, die jeweils in zwei Minuten geführt werden, sagte er: „Es gibt objektive Kriterien, wie zum Beispiel die Noten der Bewerber, die viel wesentlicher sind.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW wirft der Verwaltung vor, sich zu spät um Bewerber bemüht zu haben. Sie verweist auf die wenigen Rückmeldungen zum Vorstellungsgespräch. So haben sich nach GEW-Informationen von den 423 Bewerbern, die ihre Mappe im Februar für eine Stelle in der Grundschule eingereicht haben, nur 150 auf die Einladung gemeldet. Viele haben schon einen anderen Job, vermutet Dieter Haase vom Gesamtpersonalrat. Viele Lehrer würden lieber in anderen Bundesländern arbeiten, weil sie in Berlin nur eine Zweidrittelstelle bekommen.

Auch die Rückmeldefrist auf die Einladung zum Gespräch sei mit sieben Tagen zu kurz gewesen. Danach mussten die Bewerber in Mail- oder Anrufreichweite sein. Wer nicht ans Telefon ging, sagt Dieter Haase, wurde nicht eingeladen. Er rechnet mit Klagen von Benachteiligten. Das versteht Böger nicht: „Wir leben im Handy-Zeitalter. Wer sich bewirbt, muss erreichbar sein.“ cof/clk/za

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