Berlin : Senator Klemann verliert beim Stand von 10 000 Plätzen die Nerven

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In der Sitzkrise um den Einbau von 36 000 Einzelsitzen bis zum 11. August im Olympiastadion ist es gestern zum Eklat gekommen. Bausenator Jürgen Klemann (CDU), der nach seiner Urlaubsrückkehr das gefährdete Projekt zur Chefsache erklärt hat, ließ bei einem Vorort-Termin seinem Unmut freien Lauf. Lautstark beschwerte er sich bei den Mitarbeitern der Firmen, dass auch gestern keine nennenswerten Fortschritte beim Einbau der Einzelsitze erzielt werden konnten. Insbesondere im Oberring, wo 10 000 blaue Plastikschalen aus Polen eingebaut werden sollen, war innerhalb eines Tages nur eine Sitzreihe fertig geworden. Klemanns Worte der Beschwerde kamen einem Wutanfall gleich und fielen nach Augenzeugenberichten extrem derbe aus. Kraftausdrücke soll er allerdings nicht benutzt haben. Der Senator zeigte sich erbost darüber, dass er kaum Monteure bei seiner Visite in dem Oval antraf. Mit Ablauf des gestrigen Arbeitstages bilanzierte die Bauverwaltung insgesamt 10 000 eingebaute Sitze. Diese Anzahl sollte bereits vorgestern erreicht worden sein.

Der Termindruck sitzt dem Bausenator jetzt dermaßen stark im Nacken, dass er gestern den Sitzplatz-Notfall-Plan der höchstern Alarmstufe ausgerufen hat. Das bedeutet, dass ab Freitag die Berliner Stadtreinigung (BSR) in das Geschehen eingreift. Die BSR schickt 50 Mitarbeiter und fünf Poliere in das Olympiastadion, die beim Zusammensetzen der Stühle und beim Anschrauben helfen sollen. In der Bauverwaltung hiess es, angesichts der jeden Tag schwierigeren Situation werde jetzt auf höchster Ebene "gegenorganisiert". Der Chef der Hochbauabteilung im Bauressort, Senatsrat Ulrich Stange, der vom Senator zum offiziellen Bauleiter des Sitzplatz-Projekts berufen wurde, ist mittlerweile überwiegend im Stadion präsent. In der Verwaltung mehren sich derweil die Stimmen, dass die Koordination vor Ort in der letzten Woche nicht optimal gelaufen sein könnte. Ein mögliches Defizit sei, dass man zuviel Vertrauen in die beauftragten Lieferfirmen gesetzt und auf eine genaue Kontrolle der Liefermengen verzichtet habe. Ungeachtet, ob der Termin eingehalten werden kann, wurde ein Rücktritt des Senators gestern ausgeschlossen.

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