Berlin : Senator lenkt im Streit um Mauer-Kreuze ein

Private Erinnerungsstätte am Checkpoint Charlie könnte bleiben. Politiker schlagen außerdem Gedenkort unterm Pariser Platz vor

Werner van Bebber

Wie Berlin durch die Mauer geteilt wurde, soll ab 2005 deutlicher als bisher erkennbar sein. Zwei Orte könnten auf Dauer zu Stätten des Gedenkens und Erinnerns werden: der Checkpoint Charlie und der Pariser Platz. Auch in den Streit um die am Checkpoint Charlie privat errichtete Gedenkstätte aus Holzkreuzen kommt Bewegung. Kultursenator Thomas Flierl deutete bei einer Diskussion am Montagabend an, dass er die Kreuze für die Opfer des DDR-Grenzregimes nicht abreißen lassen will und sie über die Jahreswende hinaus stehen bleiben könnten. Alexandra Hildebrandt, Chefin des Mauermuseums, hatte vor Wochen auf zwei gepachteten Grundstücken direkt an der Friedrichstraße 1000 Holzkreuze und 140 Meter Mauer in originaler Höhe aufstellen lassen. Unter Touristen wie auch unter Berliner Politikern fand diese Form des Gedenkens Zustimmung, nicht aber beim Senat. Flierl will sich nun offenbar auf Hildebrandt zubewegen. Seinem Sprecher Torsten Wöhlert zufolge wollte er deutlich machen, dass er die Form des Opfergedenkens nicht gut findet, dagegen aber nicht mit schwerem Gerät vorgehen will. Alexandra Hildebrandt sagte dieser Zeitung: „Wir triumphieren nicht. Wir sagen nur: Vielen Dank, Herr Flierl.“ Hildebrandt versucht, die Grundstücke auch 2005 zu pachten oder zu kaufen.

Die aus Senatsvertretern bestehende Arbeitsgruppe „Mauergedenken“ könnte im Frühjahr 2005 ein erstes Konzept vorlegen, das die Teilung der Stadt in der Erinnerung wachhält. Wöhlert zufolge sichtet die Arbeitsgruppe eine Liste mit Orten und Zeichen des Mauergedenkens. Das Gremium, dem unter anderem Vertreter der Senatskanzlei, der Kultur- und der Stadtentwicklungsverwaltung angehören, prüft die sieben Seiten lange Liste auf Orte, die in das Konzept einbezogen werden sollen. Man wolle zu einem späteren Zeitpunkt auch die Angehörigen der Opferorganisationen in die Diskussion einbeziehen, sagte Wöhlert. Im Frühjahr soll es ein Colloquium zum Thema geben, danach ein Konzept. Das fordert nun auch CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer.

Ein weiterer Vorschlag kommt von einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten, zu der auch Franziska Eichstädt-Bohlig gehört. Die Gruppe möchte in direkter Nähe des Brandenburger Tores an die Teilung erinnern. Dazu könnte man die Bahnhofshalle unter dem Pariser Platz nutzen, in der später die S-Bahn und die U5 halten sollen. Denkbar sei eine preiswerte Fotoausstellung in dieser Halle und ein Hinweis darauf direkt am Tor, sagt Eichstädt-Bohlig. Bisher hätten sich etwa hundert Abgeordnete für das Vorhaben ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag soll im Januar oder Februar in den Bundestag eingebracht werden.

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