Berlin : Senator sieht keine Schulmisere

Zöllners Einstand im Bildungsausschuss

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hält nichts davon, Berlins Schulsituation zu dramatisieren. Wer ständig Begriffe wie „Misere“ im Munde führe, gebe nicht die Realität wieder, laufe aber Gefahr, derartige Zustände herbeizureden, mahnte er den Bündnisgrünen Abgeordneten Özcan Mutlu, der gestern den Schulausschuss im Abgeordnetenhaus nutzte, um seiner Forderung nach 400 neuen Lehrern Nachdruck zu verleihen.

Zöllner wollte sich in dieser Hinsicht nicht festlegen. Anstatt einzuräumen, dass Lehrer fehlen, sprach er bei seinem Einstand lieber davon, „dass das Umgehen mit der Unterrichtsversorgung das zentrale Problem ist“. Deshalb wolle er jetzt prüfen, wo es ungenutzte Ressourcen oder Reibungsverluste gebe. Schon jetzt sei klar, dass Lehrer von „sachfremden Aufgaben“ befreit werden müssten.

Auf die Frage der Abgeordneten Mieke Senftleben (FDP) nach der „Gemeinschaftsschule“ sagte Zöllner: „Es ist ein Pilotprojekt, nicht mehr und nicht weniger.“ Die Frage nach der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen stehe „erst mal nicht an“ – was nicht heiße, dass man sich dieses Themas nicht irgendwann stellen müsse. Insgesamt waren die Abgeordneten nach dem Ausschuss so klug wie zuvor. Deutlich war ihnen das Bemühen anzumerken, vor dem neuen Senator zu glänzen, dessen Ruf als kompetenter Bildungspolitiker ihnen offenbar einigen Respekt abnötigt. Zöllner sagte nach so viel Anbetung in amüsiertem Ton: „Nur Sie glauben, ich sei allmächtig.“

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