Berlin : Senator Strieder will Denkmalschutz für das Studentendorf angeblich doch kippen

Cay Dobberke

Bau- und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) scheint nun doch bereit, den Denkmalschutz für das Studentendorf Schlachtensee an der Wasgenstraße komplett aufzuheben, damit die Siedlung gegen Museumsräume der Berlinischen Galerie in der ehemaligen Kreuzberger Schultheiss-Brauerei getauscht werden kann. Zu diesem Ergebnis führte nach Tagesspiegel-Informationen ein Chefgespräch zwischen Strieder sowie Kultursenatorin Christa Thoben und Finanzsenator Peter Kurth (beide CDU). Jetzt schrieb die neue Kultursenatorin einen Brief an Strieder, in dem sie ihn bittet, seine geänderte Haltung zu bestätigen. Die Antwort steht noch aus. Die Oberste Denkmalschutzbehörde teilte mit, sie wisse bisher nichts von einem Sinneswandel Strieders.

Senatorin Thoben "erbte" das Problem von ihrem Vorgänger Peter Radunski (CDU), der das Studentendorf als Tauschobjekt vorgeschlagen hatte. Am 11. Februar will sie in den Stiftungsrat der Berlinischen Galerie eintreten; spätestens bis dahin solle Klarheit herrschen, sagte ihr Büroleiter Burkhard Woelki. Auf eine Entscheidung drängt auch die Firma Realprojekt, die neben der Deutschen Bank und der Viterra AG zu den Eigentümern des geplanten Kreuzberger Museumsstandorts zählt. Realprojekt möchte das Studentendorf durch eine Luxus-Wohnsiedlung ersetzen. "Zu den bisherigen Konditionen sind wir aber nicht bereit, es zu übernehmen", bekräftigte Sprecher Willo Göpel. Die Verzögerungen bei der Museumsansiedlung hätten das Land Berlin schon mehr als eine Million Mark gekostet. Die Summe beinhalte Zinsen und die Miete für die Lagerung von Museumsbeständen im einstigen Brauhaus. Der Umbau der Eiskeller zu Ausstellungsräumen werde rund zwei Jahre dauern, sagte Göpel. Die ursprünglich geplante Fertigstellung im Jahr 2001 sei inzwischen "illusorisch".

Das Realprojekt-Konzept sah vor, im Studentendorf an der Wasgenstraße / Ecke Potsdamer Chaussee nur fünf der 50er-Jahre-Bauten stehen zu lassen. Landeskonservator Helmut Engel bestand jedoch darauf, mehr Gebäude zu erhalten. Diese Haltung vertrat im Vorjahr auch Strieder.

Die Selbstverwaltung der Studenten protestiert seit mehr als einem Jahr gegen die Abrisspläne. Auch die Akademie der Künste, das Studentenwerk und Architektenverbände äußerten Kritik. Die Siedlung mit 1000 Wohnheimplätzen war mit Geldern der US-Regierung erbaut worden.

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