Berlin : Senatorin auf Job-Schau

Im ruhigen, schattigen Garten des Flüchtlingswohnheim in der Kreuzberger Zeughofstrasse sitzt Norbert Dummer (50) mit den Ausländern und einigen deutschen Senioren des benachbarten Altenheims bei Kaffee und Kuchen zusammen.

„Drei Jahre war ich arbeitslos, seit April helfe ich nun hier dem Hausmeister und bin so eine Art Mädchen für alles“, sagt er. Der gelernte Maurer möchte im neuen Gemeinschaftsraum des Hauses auch einen Mittagstisch für alle anbieten. Der Friedrichshainer ist einer von fünf ehemaligen Langzeitarbeitslosen, die im Rahmen des „Öffentlich geförderten Beschäftigungssektors“ (ÖBS) bei der Diakonie seit April dieses Jahres beschäftigt sind. Am Donnerstag besuchte Arbeitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) diese und einige andere Einrichtungen, die bereits Mitarbeiter im Rahmen des ÖBS beschäftigen. „Es ist schön zu sehen, wie diese Menschen bei ihrer Arbeit aufblühen“, sagte sie.

Die Zahl der Menschen, die länger als drei Jahre ohne Arbeit sind, wird in Berlin auf insgesamt 200 000 geschätzt. Mindestens ein Viertel der Betroffenen wird offiziell jedoch nicht als „langzeitarbeitslos“ in der Statistik geführt, weil diese Arbeitslosen mit Weiterbildungsmaßnahmen oder in Ein-Euro-Jobs beschäftigt werden. Doch alle diese Maßnahmen helfen den Betroffenen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. „Ich denke nicht mehr in langen Zeiträumen, im Moment freue ich mich, dass ich wieder arbeiten darf und gebraucht werde. Das Gefühl, sein eigenes Geld zu verdienen, ist natürlich auch schön“, sagt Martina Podlech. Die 56-Jährige hilft nun alten Damen wie Frau Padelt (80) beim Einkaufen und liest ihr auch mal aus der Zeitung vor, ihr Kollege schneidet die Gartenhecke. „Am Anfang war ich misstrauisch, aber die Mitarbeiter vom Projekt ,Heinzelmännchen‘ sind mir wirklich eine Hilfe“, sagt die 80-Jährige.

Die auf dem ersten Arbeitsmarkt als „Vermittlungshemmnisse“ geltenden Kategorien wie Alter, Krankheit und veraltete Berufsausbildung sind für die Vergabe der ÖBS-Stellen Voraussetzung. Der Senat und die Arbeitsagentur finanzieren die Arbeitsplätze, der Verdienst liegt bei 1300 Euro brutto. Zur Zeit sind fast 2000 der bewilligten 2744 Stellen besetzt. Die Maßnahmen sind im Haushalt mit rund 20 Millionen Euro eingeplant. In den nächsten Jahre sollen weitere Stellen geschaffen werden.fwi

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