• Senatorin will Privatisierung von Vivantes verhindern Berater McKinsey bekommt mehr Kompetenzen Klinikkonzern denkt an Expansion

Berlin : Senatorin will Privatisierung von Vivantes verhindern Berater McKinsey bekommt mehr Kompetenzen Klinikkonzern denkt an Expansion

Ingo Bach

Nach der Ankündigung des Vivantes-Chefs Wolfgang Schäfer, seinen im März 2006 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, hat das Ringen um den zukünftigen Kurs des landeseigenen Klinikkonzerns begonnen. So fordert Axel Ekkernkamp, Vize der Landes-CDU und Chef des Unfallkrankenhauses Berlin in Marzahn, dass man die lukrativen Teile des Konzerns nun schrittweise privatisieren solle. Denn zwei große Klinikunternehmen in Landesbesitz – Vivantes mit 13 000 und die Charité mit 15 000 Beschäftigten – überlasteten Berlin.

Doch diesen Forderungen erteilte Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) eine Absage: Sie stehe dafür, dass Vivantes auch künftig als Landesunternehmen geführt werde, sagte sie auf Anfrage des Tagesspiegels. Dabei habe sie die Unterstützung des Senats.

Aber Vivantes sei „noch nicht über den Berg“, sagt Knake-Werner. Um defizitäre Bereiche effizienter zu machen, wurde der Auftrag der Unternehmensberatung McKinsey erweitert, die seit einem Jahr die Geschäftsführung unterstützt. Zum einen wurde der Beratervertrag, der im Juli ausläuft, bis 2006 verlängert. Zum anderen beschloss der Aufsichtsrat, dass McKinsey auch die Bereiche Servicemanagement und Seniorenpflegeheime umbauen soll. Denn diese blieben bisher weit hinter den Erwartungen zurück.

Das Unternehmen denkt sogar an Expansion. Vivantes interessiert sich nach Tagesspiegel-Informationen für den Kauf der psychiatrischen Landeskliniken Brandenburgs. Wie berichtet, will das Nachbarland die Kliniken in Brandenburg/Havel, Eberswalde, Lübben und Teupitz bis Jahresende verkaufen. Die vier Kliniken verfügen über 1640 Betten und haben 2100 Beschäftigte. Der Kauf macht wirtschaftlich Sinn, denn in der Psychiatrie gelten keine Fallpauschalen, die den Kliniken das finanzielle Leben schwer machen. Hier wird die Therapie noch immer nach gleichen Tagessätzen abgerechnet.

Überregional orientiert sich Vivantes auch, um eine Universitätsklinik für eine Kooperation zu finden. Wie berichtet, hatte die Charité dem Konzern den Titel „Akademisches Lehrkrankenhaus“ 2003 entzogen – und trotz mehrmaliger Versprechungen bisher nicht zurückgegeben. Nun verhandelt Vivantes mit Unikliniken in Sachsen. „Die Gespräche laufen“, bestätigt Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer. Aber man hoffe noch auf eine baldige Einigung mit der Charité. Wenn nicht, dann könnte es sein, dass Medizinstudenten zum Beispiel aus Leipzig nach Berlin kommen, um in den Vivantes-Häusern ihr praktisches Jahr (PJ) zu absolvieren. Für den Konzern wäre das nicht nur ein Imagegewinn. Denn die jährlich 200 „PJler“ entlasten das Klinikpersonal.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben