Berlin : Senatsschulverwaltung plant Modellversuch

Thomas Loy

Berliner Lehrer sollen künftig länger an ihren Schulen präsent sein. Dazu bereitet die Schulverwaltung einen Modellversuch an Grund- und Hauptschulen vor, der im nächsten Schuljahr beginnen soll. Schulstaatssekretär Thomas Härtel stellt sich verschiedene Modelle vor: eine Kernzeit von 8 bis 14 Uhr, in der alle Lehrer an der Schule arbeiten, auch wenn sie nicht unterrichten. Oder eine Art Diensleistungsnachmittag einmal in der Woche. "Wir setzen dabei auf Freiwilligkeit. Die Schulen können selbst Vorschläge für Arbeitszeitmodelle machen", sagte Härtel. Man wolle dem Vorurteil des "faulen Lehrers" entgegenwirken, mehr Arbeitsgerechtigkeit schaffen sowie die Erreichbarkeit für Eltern und Schüler verbessern. Zudem könnten Lehrer einfacher für Vertretungsstunden eingesetzt werden.

Die Gewerkschaft GEW steht dem Modellversuch kritisch gegenüber. Das Problem Unterrichtsausfall könne so nicht gelöst werden, sagte GEW-Landesvorsitzender Ulrich Thöne. Er befürchtet eine "verkappte Erhöhung der Pflichtstundenzahl" und damit der Arbeitszeit. Eine gerechte Verteilung der Arübeit könne nicht "von oben" angeordnet werden. Zudem müßten an den Schulen Arbeitsplätze eingerichtet werden. "Davon ist bisher aber nicht die Rede."

Christa Mommert, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternausschusses, begrüßt den Modellversuch. "Wenn die Schule ein Haus des Lernens sein soll, dann muss es auch bewohnt werden." Wenn Lehrer öfters in der Schule arbeiten, schaffe das Vertrauen und Sicherheit im Umgang mit Schülern und Eltern. Lehrer sollten dadurch nicht "geschurigelt" werden, allerdings sei es in Einzelfällen nötig, sie "ein bisschen auf Trab zu bringen." In den Schulen waren am gestrigen frühen Nachmittag wegen des Ferienbeginns nur noch Hausmeister und Sekretärinnen zu erreichen.

An der Anna-Siemsen-Oberschule in Neukölln herrschte noch Betrieb. Schulleiter Dieter Schwenke erklärte die Reform für überflüssig. "Wenn das Klima im Kollegium stimmt, bleiben die Lehrer sowieso länger in der Schule. Wir haben ständig Dienstbesprechungen wegen problematischer Schüler." Lehrer seien zudem auch zu Hause telefonisch erreichbar. In seiner Schule gebe es keine Räume zum Vorbereiten des Unterrichts. "Nicht mal im Lehrerzimmer haben alle Kollegen Platz." Schwenke wünscht sich für seine Schule keinen Modellversuch, sondern finanzielle Unabhängigkeit und soviele Lehrer, wie ihr laut Bedarfsplan zustehen.

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