Senioren-Residenzen : Willkommen im Alter

In 20 Jahren wird jeder vierte Berliner älter als 65 sein, und fast doppelt so viel 80-Jährige wie heute wird es dann geben, fast 260 000 Menschen. Im Hotel Adlon warben Berliner Senioren-Residenzen der Luxusklasse um wohlhabende Kundschaft.

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In den Prospekten der "Rosenhof"-Wohnanlagen in Mariendorf und Zehlendorf wird viel gelächelt. -Foto: promo

Schon der Prospekt! Aufschlagen, Blättern, Staunen. Ein Schwimmbad, blaue Kacheln, verliebte Augen, graue Haare. Im Vordergrund zwei Gläser, Wasser oder Sekt? Egal, höchstes Niveau ist inklusive, denn „sämtliche unserer Service-Angebote sind darauf ausgerichtet, Ihnen das Leben so schön und angenehm wie möglich zu gestalten“. Es wird viel gelächelt in dem Heft, das uns die Seniorenwohnanlagen „Rosenhof“ in neun Städten, in Berlin in Mariendorf und Zehlendorf, vorstellen möchte. Eine langstielige dunkle Rose ergänzt die Beratung ebenso wie eine Einladung zum Probewohnen: Drei Tage mit zwei Übernachtungen für 155 Euro, Essen, Kuchen, Wellness-Schwimmen.

Zwei Dutzend Residenzen für ältere Herrschaften zeigen im stilgerechten Ambiente vom Hotel Adlon, was sie zu bieten haben: Hotelkomfort in einem Ambiente, das der Bewohner selbst bestimmt, indem er seine Möbel mit in die neue Heimat bringt. „Bei uns können Sie Ihren bisherigen Lebensstandard weiterführen, denn wir sind eine Premium-Residenz mit hohem Anspruch an Ihr Wohlbefinden“, wirbt das Senioren-Hotel „Uferpalais“ am Spandauer See, das, wie alle anderen hier, mehr sein möchte als ein „Heim“ im üblichen Sinn. „Wohnen wie gewohnt, oder anders“ ist die Devise im historischen Backsteinmauerwerk einer ehemaligen Brauerei, „ganz nah am Wasser, an Parks und Grünanlagen und an allen Dingen des täglichen Bedarfs“, dazu Ruhe in der Idylle. Man hört förmlich die Vögel zwitschern und George Bernard Shaw kichern, als er sagte: „Das Leben ist ein Spiegel – wenn du hineinlächelst, lächelt es zurück.“ So steht’s auf dem Uferpalais-Prospekt, endlich darf man hier die Freuden des Alters genießen.

In 20 Jahren wird jeder vierte Berliner älter als 65 sein, und fast doppelt so viel 80-Jährige wie heute wird es dann geben, fast 260 000 Menschen. Der Bedarf an Pflege und an einer würdevollen Umgebung in Alter und Einsamkeit wächst also, neue Rentnerwohnsitze werden gebaut, so die Residenz Bethanien Havel-Garten in Spandau, wo von 72 neuen Wohnungen nur noch drei nicht verkauft sind – hier wird das Wohnrecht auf Lebenszeit mit einer Einmalzahlung abgegolten, für eine Zwei-Zimmer-Wohnung von 55-Quadratmetern zahlt eine 75-jährige Dame 112 000 Euro. „Nicht abgewohnte Preisanteile“ werden an die Erben zurückerstattet. Das klassische Modell mit einer Monatsmiete bietet dagegen der evangelisch-konfessionelle Sophien-Garten in der Steglitzer Paulsenstraße, hier werden Wartelisten geführt. Inbegriffen ist bei allen Angeboten ein 24-Stunden-Notruf-Dienst, Veranstaltungen, Wellnessbereichsnutzung, Essen, seelsorgerische Betreuung. Die Preise ähneln sich: Im Uferpalais kostet eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 56,19 Quadratmetern nach Größe und Lage zwischen 1714 und 2752 Euro, für eine 92-Quadratmeter-Bleibe mit drei Zimmern, Küche und Bad muss der Bewohner mit einer Monatsmiete von 2190 bis 3223 Euro rechnen.

Beredt preisen die Abgesandten der Residenzen die Vorzüge ihrer Wohnhotels, aufmerksam lauschen Ehepaare in ihre Zukunft, in den Köpfen wirbeln die Zahlen, die Anlagen und Bankbestände. „Alles gut, vor allem der Service, den man als älterer Mensch heutzutage braucht“, meint Helga Schubert aus der Reichsstraße. 79 Lebensjahre sieht man der einstigen Oberschwester einer Neurologiestation nicht an, weil sie sich nach diesem Winter mit Radfahren und Schwimmen wieder „aufbaut zu neuen Taten, so sind wir Älteren halt“, sagt sie, „ich suche weiter, dies hier ist schön – aber nicht meine Preisklasse“.

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