Berlin : "Sensationelle" Werte der Nutzenrechnung für die U-Bahn-Linie 5

Klaus Kurpjuweit

Rund 420 Millionen Mark sind für die Verlängerung der U 5 bereits verbuddelt, 1,9 Kilometer der insgesamt rund 4 Kilometer langen Strecke sind im Rohbau fertig. Kosten soll die Strecke 1,3 Milliarden Mark. Bei einem Verzicht auf den Weiterbau wären diese Ausgaben ohne Nutzen. Dabei ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Strecke nach Angaben von Planern "sensationell" gut. Ein so genanntes standardisiertes Bewertungsverfahren mit komplizierten Berechnungen für den Abschnitt vom Alexanderplatz zum Lehrter Bahnhof gibt es zwar weiter nicht, doch in einem "vereinfachten" Verfahren kamen die Planer zu dem Ergebnis, dass auch dieser Teil einen ähnlich hohen Wert erreicht wie die einst vorgesehene Gesamtstrecke bis zum U-Bahnhof Turmstraße.

Danach bringt jede ausgegebene Mark für den Bau der U-Bahn einen Gesamtnutzen von 1,70 Mark. Förderwürdig sind Projekte, die einen Wert von 1,0 erreichen. Bei U-Bahnen, die nur mit einem hohen Aufwand gebaut werden können, sind Werte von mehr als 1,5 nach Angaben von Planern äußerst selten.

Die Experten erwarten, dass täglich auf dem am stärksten belasteten Abschnitt der U 5 zwischen 125 000 und 150 000 Menschen fahren werden. Bei einem Weiterbau bis zur Turmstraße wären es nach diesen Berechnungen 175 000. Ein großer Teil seien Umsteiger vom Auto, weil nach dem Bau der U 5 die Fahrt aus den östlichen Außenbezirken in die Innenstadt auf der Schiene erheblich attraktiver werden würde. Unter anderem erübrigt sich dann das mit langen Wegen verbundene Umsteigen von der U-Bahn zur S-Bahn am Bahnhof Alexanderplatz.

Verkehrlichen Nutzen, der in der Rechnung ebenfalls berücksichtigt wird, bringen auch die zusätzlichen Umsteigebahnhöfe an der geplanten U 5-Verlängerung: im Bahnhof Unter den Linden zur U 6 und am Brandenburger Tor zur Nord-Süd-Bahn. Im Lehrter Bahnhof gäbe es zudem nicht nur Anschluss an die Fern- und Regionalbahn, sondern auch zur geplanten S-Bahn-Linie S 21, die zunächst zum Nordring führen wird.

Auch betrieblich würde sich der Bau der Strecke für die BVG lohnen. Dies habe eine Nachrechnung, die Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) gefordert hatte, bestätigt, sagte ein Planer. Strieder will den Weiterbau der U 5 um zehn Jahre verschieben. Dadurch will er nicht nur Geld für die Sanierung des Olympiastadions umschichten, sondern auch den Geschäftsleuten im östlichen Zentrum entgegenkommen. Diese befürchten Einbußen durch ein "Riesenloch" an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße, wo der Umsteigebahnhof zur U 6 entstehen soll.

Ein solches Loch wird es jedoch nicht geben, sagte gestern Bauleiter Frieder Bühring. Der Bahnhof würde unter einer provisorischen Fahrbahnabdeckung gebaut, die Erde dabei durch den dann schon fertigen Tunnel abtransportiert - wenn er denn gebaut wird.

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