SERIE BERLINER Chronik : 21. Juli 1990

Ost-Berliner Babys bekommen von der westlichen Fertignahrung Bauchweh

JAHRE

EINHEIT

Ost-Berliner Babys ist offenbar die Umstellung auf westliche Fertignahrung nicht bekommen. Aufgebrachte Mütter klagen in der letzten Zeit immer öfter über Bauchweh ihrer Kleinen und schlagen inzwischen im Roten Rathaus Alarm, weil das gewohnte Milasan, die in der DDR beliebte Babynahrung, fehlt.

Nun ist Milasan der Firma Diäta in Halle in einigen Geschäften und Apotheken wieder zu haben, allerdings viel teurer als noch vor einem Monat. Eine 500-Gramm-Packung kostet plötzlich bis zu neun D-Mark, vor der Währungsunion waren es 4,20 Mark Ost, danach 2,99 D-Mark. Der Engpass bei der Milasan-Babynahrung hat nach Recherchen des Magistrats mit einem zweiwöchigen Produktionsausfall wegen eines technischen Defekts und zwischenzeitlichen Vertriebsproblemen zu tun.

Die Firma Diäta wurde von Nesté (Hersteller von Alete) übernommen; Ost-Geschäfte müssen ihre Bestellungen nun über West-Berlin oder Frankfurt am Main nach Halle leiten. Ein Ost-Berliner Kinderarzt hat nun bestätigt, dass die Umstellung der Babynahrung bei einigen Säuglingen Magenverstimmungen auslösen. Die schrittweise Umstellung sei aber kein Problem. Der Mediziner äußert den Verdacht, dass West-Anbieter von Babynahrung nach der Währungsunion mit zweifelhaften Methoden auf den Ost-Markt drängen. Gru

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