SERIE BERLINER Chronik : 22. September 1990

Im Ost-Berliner Gefängnis Rummelsburg kommt es zum Häftlingsaufstand

JAHRE

EINHEIT

In Ost-Berliner Gefängnis Rummelsburg besetzen 26 Gefangene das Dach. Sie fordern eine Amnestie und protestieren gegen ihre Verlegung nach Tegel. Die Häftlingsrevolte mit Besetzungen der Dächer und Streiks bis hin zum Hungerstreik weitet sich schnell auf 25 Haftanstalten der DDR aus. In letzter Zeit werde der Strafvollzug „sehr freizügig“ gehandhabt, heißt es bei der Senatsverwaltung für Justiz. Die Zellentüren stünden offen, Hafturlaub werde häufiger gewährt, Häftlinge könnten sogar Haustiere halten.

Vermutet wird, dass alte SED- und Stasi-Kader die Revolten unterstützen. Es gebe Hinweise auf Telefonate von Haftanstalt zu Haftanstalt, um die Aktionen zu koordinieren. DDR-Justizminister Manfred Walther lehnt eine „Jubelamnestie“ ab. Sechs Tage eskaliert die Lage. Sie beruhigt sich erst, als die Volkskammer eine Teilamnestie beschließt. Damit wird den meisten Gefangenen ein Drittel der Strafe erlassen.

Es bleibt dabei, dass alle 252 Strafgefangenen und 240 Untersuchungshäftlinge aus Rummelsburg und Köpenick nach dem 3. Oktober nach West-Berlin verlegt werden. Baulich, sanitär und hygienisch seien die Ost-Berliner Anstalten für den rechtsstaatlichen Vollzug ungeeignet, lässt Justizsenatorin Jutta Limbach wissen. Gru

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