SERIE BERLINER Chronik : 23. Juli 1961 Jahre Mauerbau

100 000 Gläubige versammeln sich zum Kirchentag im Olympiastadion – es fehlen aber die Bischöfe „aus der Sowjetzone“

Foto: epd

Zum Abschluss des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin versammeln sich rund 100 000 Gläubige im West-Berliner Olympiastadion. Noch ist die Evangelische Kirche in Deutschland förmlich nicht geteilt. Nach den Worten des EKD-Ratsvorsitzenden, des Ost-Berliner Präses Kurt Scharf, ist es „trotz der Maßnahmen der DDR“ ein „gesamtdeutscher Kirchentag“ gewesen. Von den mehr als 40 000 Dauergästen seien zirka 11 000 aus der DDR gekommen.

Einige hundert Ostler waren allerdings von der Volkspolizei an der Reise nach Berlin gehindert worden. Bei der Schlussveranstaltung fällt auch auf, dass auf den Ehrenplätzen vor dem Altar zum ersten Mal in der zwölfjährigen Geschichte des Kirchentages sämtliche Bischöfe „aus der Sowjetzone“ fehlen. Sie sahen sich aufgrund des politischen Drucks gezwungen, auf ihre Teilnahme am Kirchentag zu verzichten oder zogen es nach dem Verbot des Kirchentages für den Ostteil der Stadt vor, bei ihren Gemeinden zu bleiben. Lediglich der Görlitzer Bischof Ernst Hornig hatte einmal in West-Berlin gepredigt.

Der 18-jährige West-Berliner Willi Kuhweide gewinnt vor Warnemünde in der DDR die Segel-Europameisterschaft in der Klasse Finn-Dinghi vor dem Schweden Göran Andersson. Der Rostocker Walter Gärtner wird Dritter. In der Ost-Presse werden Hinweise darauf vermieden, dass „der westdeutsche Meister“ Willi Kuhweide in West-Berlin wohnt und zum Verein Seglerhaus Wannsee gehört.

Unter den DDR-Flüchtlingen sind vor allem viele junge Leute. Wie die DDR-Nachrichtenagentur ADN berichtet, sind an den Universitäten, Hochschulen und Fachschulen zahlreiche Studienplätze offen, besonders in Ost-Berlin, Rostock, Jena, Halle und Leipzig. Ungenügend besetzt sei vor allem das Fachgebiet Landwirtschaft, aber auch auf den Gebieten Mathematik, Physik, Chemie, Geschichte und Musik gebe es Lücken. Die Bergakademie Freiberg sowie mehrere Ingenieurschulen hätten ebenfalls Studienplatze frei. Gru

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