SERIE BERLINER Chronik : 24. Januar 1990

Streit um Fluglärm, Ost-West-Kooperation beim Abwasser – und beim Fußball im Olympiastadion

JAHRE

EINHEIT

Beim Umweltschutz scheut die streitbare rot-grüne Senatskoalition keinen Konflikt. Der geplante Ausbau des Flughafens Tegel wird laut Senatsbeschluss vertagt, bis die Fluggesellschaften die verlangte Minderung der Fluglärmbelästigung zugesagt haben. Der Senat verlangt zudem die Ausdehnung des Nachtflugverbots auf 22 bis 7 Uhr.

Der Senat ist auch zuversichtlich, dass an der Bundestagswahl im Dezember 1990 erstmals die West-Berliner teilnehmen können und die Berliner Bundestagsabgeordneten das Stimmrecht bei Plenarentscheidungen erhalten. Weitergehenden Forderungen der CDU würden die Westalliierten nicht nachkommen, da sie mit dem Viermächte-Abkommen nicht vereinbar seien. Das Thema erledigt sich dann schneller als erwartet durch die Einheit: Die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl ist am 2. Dezember 1990.

Die Berliner Wasserbetriebe (West) und der Ost-Berliner VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung wollen kooperieren, wie in einer gemeinsamen Pressekonferenz bei den Wasserbetrieben angekündigt wird. Zunächst geht es um westliche Hilfe bei der Verbrennung von Klärschlamm in den Klärwerken Waßmannsdorf und Stahnsdorf. Aufgrund des Ost-West-Abwasservertrages werden West-Berliner Abwässer seit den siebziger Jahren gegen Bezahlung in diese Klärwerke geleitet. Nunmehr böten sich „gemeinsame Investitionen“ an, sagt der VEB-Direktor Kreibich.

Auch im Sport wachsen West und Ost zusammen. Noch wenige Tage, dann werden Hertha BSC und der 1. FC Union – damals beide in ihrer jeweiligen 2. Liga – im Olympiastadion erstmals gegeneinander antreten. Schon zu DDR-Zeiten hat die beiden Fanszenen eine Freundschaft verbunden, über die Mauer hinweg, die Anhänger sangen: „Wir halten zusammen, wie das Wind und das Meer, die blau-weiße Hertha und der FCU.“

Als das Freundschaftsspiel drei Tage später angepfiffen wird, kommen mehr als 50 000 Zuschauer ins Stadion. Tränen fließen, die Fans liegen sich in den Armen, Hertha gewinnt 2:1 – aber das spielt keine Rolle. Fünf Mark hat der Eintritt gekostet, die Einnahmen gehen an medizinische Einrichtungen in Ost-Berlin. „Eisern Berlin!“, rufen die 50 000 Fans im Chor – und stehen auch zusammen, als sie am Marathontor 100 Fans des damaligen Stasivereins BFC Dynamo entdecken. „,Stasi raus!’ hallte es durchs Stadion“, schrieb der Tagesspiegel. Die Polizei brachte die Dynamo-Fans „zu ihrer eigenen Sicherheit“ aus dem Stadion. AG/Gru

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