SERIE BERLINER Chronik : 4. März 1990

Die DDR rehabilitiert politisch Verfolgte Künstler besetzen den Palast

20 JAHRE EINHEIT

Etwa 40 000 DDR-Bürger, die wegen politischer Delikte von DDR-Gerichten verurteilt wurden, sollen durch Ehrenerklärungen rehabilitiert werden und Entschädigungen erhalten. Das kündigt DDR-Justizminister Wünsche im Interview mit dem „Spiegel“ an. Sinn des geplanten Rehabilitierungsgesetzes sei eine „politisch-moralische Rehabilitierung“. Die Masse der Unrechtsurteile könne wegen fehlender prozessualer Voraussetzungen nicht formell aufgehoben werden. Daher sollten die DDR-Gerichte Ehrenerklärungen aussprechen und über die Höhe der Entschädigung befinden.

Eine „Initiativgruppe 4.11.“ von Theaterleuten und Künstlern besetzt symbolisch den Palast der Republik; zeitgleich findet dort ein „Tag der Familie“ mit buntem Programm statt. Mit der Aktion wolle man „ein Zeichen setzen in dieser verworrenen Zeit, an Dinge zu denken, die Subventionen benötigen und nicht nur Knete bringen“, erläutert eine Frau aus der Besetzergruppe. Der Palast solle als „subventionierter Ort alternativer Kunstproduktion genutzt“ werden, nicht jedoch für „kommerzielle und repräsentative Zwecke. In Parolen heißt es: „Der Palast ist besetzt. Fantasie an die Macht!“ – „Unter Nutzung aller Räume soll eine Vielzahl von Ateliers, Studios, Proberäumen und Werkstätten entstehen. „Die Initiativgruppe 4.11.“ erinnert mit ihrem Namen an die Großdemonstration vom 4. November 1989 am Alexanderplatz. Gru

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