SERIE : Eine Insel voller Motive Erlebnis Meck-Pomm

Usedom inspirierte auch den Maler Lyonel Feininger Zehn Jahre lang kam er hierher, um zu zeichnen

Claus-Dieter Steyer

Usedom - Irgendwann schlug das Interesse für den deutsch-amerikanischen Maler Lyonel Feininger auf der Insel Usedom in Begeisterung und schließlich sogar in Enthusiasmus um – doch das geschah erst lange nach dessen Tod und wurde durch einen Zufall ausgelöst. Und so wird am kommenden Wochenende gefeiert: Rund um das 100. Jubiläum der ersten Ankunft des Künstlers auf der Ostseeinsel am 17. Mai gibt es Vorträge, eine Ausstellung, ein Konzert mit Feininger-Kompositionen und eine Radtour zu dessen wichtigsten Motiven.

„Wir wollen Feininger für unsere Gäste und Einheimischen erschließen“, sagt Christa Hoba von der Usedomer Tourismus-Gesellschaft. Ein besserer Botschafter für die Reize der Insel sei kaum zu finden. Schließlich habe er sowohl die Bäderarchitektur als auch das Strandleben und die Reize des Achterwassers gemalt.

Dabei war Feininger auf seiner Lieblingsinsel lange Zeit überhaupt kein Thema. „Erst 1992 erhielt ich von einem Bekannten den Tipp, doch mal die Ostdeutsche Galerie in Regensburg zu besuchen“, erinnert sich Martin Meenke, zur damaligen Zeit Bürgermeister des kleinen Dorfes Benz und heute Chef der Verwaltung Usedom-Süd. „Dort seien in einer schönen Ausstellung ein Bild unserer Dorfkirche und andere Motive aus der Umgebung zu sehen.“

Meenke machte sich auf den Weg und kehrte begeistert zurück. Da die Schulen und Museen das Werk Feiningers mit keinem Wort erwähnt hatten, packte den Bürgermeister zusammen mit dem Benzer Pfarrer und einem weiteren Mitstreiter ein geradezu kriminalistisches Gespür. Sie recherchierten, sammelten und kamen schließlich mit Hilfe eines ABM-Projektes auf die Zahl von 1380 Motiven, die Feininger zwischen 1908 und 1918 auf Usedom gemalt und gezeichnet hatte. Meistens handelte es sich um sogenannte Naturnotizen, die später als Vorlagen für heute oft unbezahlbare Gemälde dienten.

Da der 1871 in New York geborene und 1887 nach Deutschland ausgewanderte Feininger leidenschaftlich gern mit einem Rennrad unterwegs war, lag die Idee einer Radroute durch den Süden der Insel und bis nach Swinemünde auf der Hand. Auf der Route können Touristen unter anderem die Kirche in Benz erleben, die der Künstler wenige Wochen vor seinem Tod im Januar 1956 in einem Aquarell malte. Das direkt daneben befindliche Kunst-Kabinett in der Scheune zeigt noch bis zum 25. Mai täglich zwischen 10 und 18 Uhr eine Feininger- Ausstellung.

Noch häufiger als Motive aus dem Hinterland hat er allerdings die Villa Oppenheim in Heringsdorf gemalt. Lange hielt sich die Legende, dass Feininger während seiner Sommeraufenthalte hier gewohnt habe. Doch im Zuge der Nachforschungen stießen die Hobby-Historiker rund um Bürgermeister Beenke auf die Villa Zander als tatsächlichen Wohnsitz. Die mit vier weißen Säulen geschmückte Villa Oppenheim steht heute aber noch immer exemplarisch für den Aufstieg Usedoms zur beliebten Sommerresidenz der Berliner Finanz- und Wirtschaftsprominenz sowie der Spitzen des Kulturlebens. Sie bauten sich hier prächtige Villen mit großen Parks, amüsierten sich auf Seebrücken und bei Kurkonzerten und schmückten sich mit dem Besuch der Kaiserfamilien aus Deutschland und Österreich.

Die Säulen-Villa ließ sich 1862 der Bankier Benoit Oppenheim bauen. Zu DDR-Zeiten erholte sich Stasi-Chef Erich Mielke in dem Prachtbau. Heute kann sich in dem nicht zuletzt von Feininger bekannt gemachten Gebäude jedermann Ferienwohnungen mieten. Die Radtour auf Spuren des Malers führt hier natürlich auch vorbei.

Weitere Informationen im Internet:

www.usedom.de

Folge 5:

USEDOM

Die anderen Folgen

4. Mai: Die Wismarer Bucht

7. Mai: Rund um die Müritz

9. Mai: Spaziergang durch Stralsund

14. Mai: Ein Besuch der Insel Rügen

21. Mai: Rostock-Warnemünde

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