SERIE LESERDISKUSSION : Hoffen auf Investoren

Die Schließung des Airports könnte eine Chance für den „Kutschi“ sein.

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„Kutschi“ in der Diskussion. Auf dem Podium (v. l.) Jörg Leutloff vom Tourismusverein, Stadtrat Martin Lambert, Landschaftsarchitekt Stephan Buddatsch, Gerd Appenzeller, Herausgeber des Tagesspiegels und Ex-Bürgermeisterin Marlies Wanjura.Foto: Thilo Rückeis
„Kutschi“ in der Diskussion. Auf dem Podium (v. l.) Jörg Leutloff vom Tourismusverein, Stadtrat Martin Lambert,...

Der Vorschlag, den Reinickendorfer Kurt-Schumacher-Platz in einen Kreisverkehr umzubauen, hat bei der Diskussion der Vorschläge im Rahmen der Tagesspiegel-Serie „Platz da“ große Zustimmung gefunden. Offen bleibt vorerst, wer sie finanzieren könnte. Reinickendorfs Baustadtrat Martin Lambert (CDU) nannte als Idee, künftige Investoren könnten die Finanzierung im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages übernehmen.

Gemeinsam mit Lambert diskutierten Ex-Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura als Vertreterin der Initiative Reinickendorf und Jörg Leutloff vom Tourismusverein Reinickendorf in den Räumen der Tanzschule Gerda Keller an der Scharnweber Straße mit Tagesspiegel-Herausgeber Gerd Appenzeller die Vorschläge des Büros Topos. Tanzschulenchef Roger Helm äußerte einen klaren Wunsch für den Platz: Mehr Sicherheit und eine harmonischeres architektonisches Erscheinungsbild.

Landschaftsarchitekt Stephan Buddatsch vom Berliner Büro Topos erläuterte den Befund und die Lösungsansätze seines Teams für den vom Straßen- und vorerst auch noch vom Luftverkehr dominierten Platz. Von der auf das Frühjahr 2013 verschobenen Schließung des Flughafens Tegel erwartet der Bezirk durch den Wegfall des Düsenlärms einen Wertzuwachs der Grundstücke und neue Investoren für eine Umgestaltung und Erweiterung der Platzbebauung. In der Nähe der jetzigen Behelfsbauten im Südwesten kann sich Buddatsch den Neubau eines Cafés mit Terrasse vorstellen, die Mitte des künftigen Kreisels könnte eine – eventuell bewegliche – Skulptur zieren.

Dazu fiel Marlies Wanjura sofort die Skulptur auf dem Rathenauplatz ein – ein eingemauerter Pkw. Könnte man zur Erinnerung an den Airport Tegel nicht ein Flugzeug aufstellen? In seinem jetzigen Zustand findet sie den Kurt-Schumacher-Platz „unmöglich“. Das Tor von Charlottenburg und Mitte nach Reinickendorf sei „kaum wahrnehmbar“, bemängelte auch Jörg Leutloff. „Der Kurt-Schumacher-Platz ist in die Jahre gekommen“, gab Stadtrat Martin Lambert zu, wehrte sich aber gegen den Vorwurf, der „Kutschi“ werde vom Bezirk nicht genügend gepflegt.

Dass der Flughafen Tegel erst später geschlossen wird, bezeichnete er als „Segen“. Das gebe den Planern mehr Zeit für die Neugestaltung des alten Flughafenareals. Die Einstellung des Flugbetriebes werde garantiert zu einer Aufwertung des Bereiches rund um den Kurt-Schumacher-Platz führen und auch Besserverdiener anziehen, ist Reinickendorfs Baustadtrat überzeugt. Schon jetzt hätten sich interessierte Investoren beim Bezirksamt gemeldet. Da auch dem Bezirk Reinickendorf das Geld für Investitionen fehlt, sieht Lambert nur eine Möglichkeit für den Kurt-Schumacher-Platz: zusätzliche Bauflächen gegen eine Beteiligung von Interessenten an der Umgestaltung zu vergeben.

Schon heute steht fest, dass der Platz auch eine wichtige Rolle bei der Erschließung der künftigen Wohnsiedlung und der Ansiedlung nachhaltigen Gewerbes auf dem Flugplatzgelände spielen wird. Mit der Schließung des Airports verliere Reinickendorf 8000 Arbeitsplätze, sagte Marlies Wanjura. Jeder neu entstehende Produktionsarbeitsplatz ziehe zusätzlich Dienstleister an. Der am bisherigen Terminal interessierten Beuth-Hochschule sowie der Feuerwehrakademie, die einen Hangar nutzen möchte (siehe nebenstehenden Beitrag), kommen dabei Schlüsselpositionen zu. Als erste Nutzer würden beide „einen wunderbaren Impuls für das Gelände geben“, sagte Stadtrat Lambert. Er hofft, nach Aufstellung des ersten Bebauungsplanes durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits im kommenden Jahr die ersten Baugenehmigungen erteilen zu können. Rainer W. During

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