SERIE LESERDISKUSSION : Mehr Halt für den Ostbahnhof

Bürger, Bezirkspolitik und Bahn diskutierten über die Aufwertung des Umfelds.

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Netzwerk. Planer Mario Bobsien, Aktivist Carsten Joost, Bahnhofschef Patrick Malter, Bezirksbürgermeister Franz Schulz, Yaam-Chef Ortwin Rau (von links)Foto: Georg Moritz
Netzwerk. Planer Mario Bobsien, Aktivist Carsten Joost, Bahnhofschef Patrick Malter, Bezirksbürgermeister Franz Schulz, Yaam-Chef...

Der Ostbahnhof ist ein „Sorgenkind“, sagte Franz Schulz (Grüne), Bezirksbürgermeister Friedrichshain-Kreuzbergs. Und dass die Sorgen in den nächsten Jahren geringer werden könnten, darauf machte er wenig Hoffnung. Gerade deshalb sollten die Anrainer miteinander sprechen, und die Diskussion des Tagesspiegels zur „Platz da!“-Serie war eine erste gute Gelegenheit.

Landschaftsarchitekt Mario Bobsien präsentierte seine Pläne für eine Neugestaltung des Bahnhofs-Vorplatzes und erhielt ein differenziertes Echo: Ein Platz als Entrée gefiel den meisten Teilnehmern, ein Parkhaus als Ersatz für die oberirdischen Parkflächen zu bauen, traf aber nicht auf Begeisterung. Ein Übel durch ein anderes zu ersetzen, sei kein wirklicher Fortschritt. Schulz sieht zudem wenig Chancen, den Eigentümer R+V-Versicherung, der gerade das vorhandene Parkdeck saniert, für eine Investition zu gewinnen.

Das Publikum nahm bald die soziale Situation am Bahnhof in den Fokus. Davor treffen sich oft alkoholisierte Obdachlose, an einigen Buden dahinter treffen sich ebenfalls Trinker. Ein typisches Bahnhofsviertel eben, nur mit dem Unterschied, dass die Händler am und im Ostbahnhof inzwischen unter der geringen Kaufkraft der Anwohner leiden.

Im Freizeitzentrum Yaam, gegenüber dem Bahnhof gelegen - dort fand die Diskussionsrunde statt -, werden bereits Jugendliche aus den umliegenden Plattenbauten betreut. Patrick Malter, Leiter des DB-Bahnhofsmanagements in Berlin, war ganz begeistert von dem Ambiente dieses Ortes. So geht es vielen Nutzern und Anwohnern des Ostbahnhofs. Könnte man da nicht gemeinsam etwas auf die Beine stellen, um den Bahnhof stärker mit seinem Umfeld zu verbinden? Malter: „Wir sind offen für einen Dialog.“ Auf die Bitte von Streetworkern des Vereins Gangway, ein mietfreies Büro im Bahnhof zur Verfügung zu stellen, ging Malter nicht ein. Die Bahn sei „nicht glücklich über den Zustand des Umfeldes“, sagte der Bahnmanager, sich um Verbesserungen zu kümmern gehöre aber nicht zu den originären Aufgaben seines Unternehmens.

Bürgermeister Schulz lud die Streetworker ein, sich an einer Arbeitsgruppe im Bezirksamt zur Gestaltung des nördlichen Bahnhofsumfeldes zu beteiligen. Moderator und Tagesspiegel-Redakteur Ralf Schönball erweiterte die Einladung auf die Bahn. Einen „Zukunftsbahnhof“ am Ostbahnhof zu schaffen, das könnte doch eine Vision für alle Beteiligten sein, sagte Schönball.

Carsten Joost, Mediaspree-Gegner, brach eine Lanze für die Döner- und Kneipenbuden auf der Nordseite. „Die Würstchenbude ist in Berlin ein Kulturgut.“ Da sollte man eher über eine Wirtschaftsförderung nachdenken, um die „Buden zu qualifizieren“, als die klassische Methode anzuwenden: Abräumen und zubauen. Auch das Parkdeck könnte ein paar Buden vertragen, um dann eine Verwandlung zum „Sonnendeck“ zu erleben. Leider war die R+V-Versicherung nicht auf dem Podium. Von deren Haltung hängt am Ostbahnhof einiges ab.Thomas Loy

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