SERIE LESERDISKUSSION : Mehr Licht und Leben in Spandaus Mitte

Wie die Ideen zur Verschönerung des Marktes bei Anwohnern und Kommunalpolitik ankommen.

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Spandauer Leere. Für den Markt werden Ideen gesucht. Foto: Doris S. Klaas
Spandauer Leere. Für den Markt werden Ideen gesucht. Foto: Doris S. Klaas

Berlin - Viel Zustimmung hat das Konzept des Büros Schrickel und Partner für den Spandauer Markt gefunden. Von dem leitenden Tagesspiegel-Redakteur Gerd Nowakowski und dem Landschaftsarchitekten Angus Forbes wurde es im Rahmen der Reihe „Platz da“ mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Altstadt, Ingrid Jahn, dem Inhaber von Florida-Eis, Olaf Höhn, Baustadtrat Carsten Michael Röding (CDU) diskutiert. Der Politiker stellte in Aussicht, dass Kernpunkte des Konzepts mittelfristig verwirklicht werden.

Weitgehend Konsens herrschte unter den Diskussionsteilnehmern und Gästen im Bürgersaal des Rathauses, dass die Beleuchtung verbessert wird. Hier konnte Stadtrat Röding sogar eine greifbare Lösung ankündigen. Der Senat sieht hier selbst Bedarf, denn die gegenwärtigen Leuchten bilden einen „Unsicherheitsfaktor“. Zum Test möchte der Kommunalpolitiker zwei Alternativmodelle aufstellen lassen.

Der Stadtrat war der Einzige, der sich für die umstrittene Skulptur des „Rückgrates“ aussprach, die eigentlich eine Havelwelle darstellen soll, in der Bevölkerung aber als „Pinkelrinne“ verschrien ist. Die Welle sei „nicht schön“, aber „als Skulptur nutzbar“, sagt Röding. Passanten können auf ihr sitzen, Kinder darauf balancieren. Die Idee von Angus Forbes, sie bei Dunkelheit farblich zu illuminieren, fand großes Interesse, auch wenn Teilnehmer darauf verwiesen, dass damit die Situation bei Tage nicht verbessert ist. Durchweg Zustimmung fand auch der Vorschlag, den Spielplatz in der Nordostecke aufzuwerten.

Einig war man sich darüber, dass die Aufenthaltsqualität durch mehr Sitzmöglichkeiten und erweiterte kulinarische Angebote verbessert werden muss. „Der Trend ist, dass die Gäste draußen in der Sonne sitzen möchten, selbst bei Minustemperaturen“, sagt Unternehmer Olaf Höhn. Wichtig sei, dass die Leute dabei ein Dach über dem Kopf haben. Weil die wenige Gastronomie am Platz nicht ausreicht und die hohen Mieten weitere Ansiedlungen verhindern, soll versucht werden, hier mobile Lösungen zu schaffen. Ein Vorschlag lautete, den Wochenmarkt durch gastronomische Angebote zu ergänzen.

Eher auf Skepsis stieß der Gedanke der Planer, die Hochbeete beiderseits der Freitreppe durch eine moderne, spaßige Skulptur und einen begrünten Brunnen zu ersetzen. Karl-Heinz Bannasch von der Heimatkundlichen Vereinigung sprach sich für die Aufstellung eines historischen Denkmals aus. Ein entsprechender Trend sei in vielen europäischen Metropolen zu beobachten. Andere Besucher befürchteten grundsätzlich, dass neue Objekte auch neuen Vandalismus bewirken. Der ebenfalls aus dem Publikum stammende Vorschlag, den Marktplatz stärker an die nahe Havel mit der Spreemündung anzubinden, könnte dagegen bald realisiert werden. Röding kündigte im Rahmen der Umgestaltung des Lindenufers die Schaffung eines „Havelstegs“ an.

Sehr kontrovers diskutiert wurde der von Schrickel und Partner angedachte Ersatz des Kopfsteinpflasters durch Gehwegplatten, die für Fußgänger angenehmer sind. Dabei spielte nicht nur die Kostenfrage eine Rolle. Auch an möglichen Fahrradtrassen schieden sich die Geister. Mit der Freigabe zwischen 19 und 9 Uhr sowie an Sonntagen sei ein optimaler Kompromiss gefunden worden, betonte Stadtrat Röding. Sonst würde die Altstadt ihre Qualität als Flaniermeile verlieren. Rainer W. During

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