Serie "Menschen helfen" : Ältere Menschen leiden unter eingeschränkter Mobilität

Das Pflegeheim Schillerpark will einen Seniorenbus anschaffen. Alten Menschen soll so ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit ermöglicht werden. Der Tagesspiegel hilft beim Spendensammeln, damit das Projekt finanziert werden kann.

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Verfrühte Weihnacht: Die Oberin des Paul-Gerhard-Stifts, Sigrid Fellechner (li.) mit Irmgard Kraatz, einer Bewohnerin des Stifts.
Verfrühte Weihnacht: Die Oberin des Paul-Gerhard-Stifts, Sigrid Fellechner (li.) mit Irmgard Kraatz, einer Bewohnerin des Stifts.

Der Weihnachtsmann hat ein Gesicht aus Plastik und eine Frauenstimme. Die vermummte Gestalt beugt sich zu Irmgard Kraatz hinunter und fragt: „Wie war denn das vergangene Jahr für Sie?“ Sie sei ja auf dem Weg der Besserung, antwortet die alte Dame, die sich auf ihren Rollator stützt. Aber besonders gut sei die letzte Zeit nun wirklich nicht gewesen.

Die beiden stehen im Foyer des Diakonischen Pflegewohnheims Schillerpark im Paul-Gerhardt-Stift an der Müllerstraße in Wedding. Gerade wird hier schon mal Weihnachten gefeiert. Die 73-jährige Irmgard Kraatz lebt hier seit zwei Jahren. „Damals hatte man mich halbtot in meiner Wohnung gefunden“, sagt sie. „Niemand hat damit gerechnet, dass ich mich noch mal so aufraffe, aber jetzt bin ich wieder voll da.“

Nun würde sie zu gern mal wieder ein bisschen von der Welt außerhalb des Pflegeheims sehen. Seit zwei Jahren konnte sie das Stift nicht verlassen. „Ich kann an nichts teilnehmen, weil mir das berühmte T fehlt.“ Das bedeutet, dass sie keine Berechtigung hat, in einem der Telebusse mitzufahren. Die Fahrzeugflotte ist für Menschen mit einer Behinderung da, damit sie mobil bleiben. Frau Kraatz kann kaum laufen und ist zu 90 Prozent schwerbehindert. Wer diese Berechtigung bekomme und wer nicht, das entschieden die Bezirksämter seiner Meinung nach sehr willkürlich, sagt Pflegeheimleiter Carsten Glöckner. Es gebe mehrere Bewohner denen es so gehe wie Irmgard Kraatz. „Ich habe jetzt Widerspruch eingelegt“, fügt sie hinzu.

Ab und zu organisiert die Heimleitung Ausflüge mit einem der Telebusse. Alle anderen Möglichkeiten seien zu teuer, erklärt Glöckner. „Wir haben hier viele Sozialhilfeempfänger.“ Frau Kraatz drückt das so aus: „Ich bin keine, die irgendwo Geld gestapelt hat.“ Früher hat sie als Toilettenfrau in einem Restaurant gearbeitet. Neulich ging es in die Gärten der Welt in Marzahn. „Da wäre ich so gern mitgefahren“. Aber ohne die Telebusberechtigung musste sie im Heim bleiben.

Jetzt hatten Mitarbeiter des Evangelischen Johannesstifts, eine Idee: Carsharing. Sie wollen einen eigenen „Seniorenbus“ anschaffen, der Frau Kraatz, ihre Mitbewohner und rund 350 andere Menschen aus sechs sozialen Einrichtungen in Wedding und Reinickendorf, deren Träger ebenfalls das Johannesstift ist, ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit ermöglicht: Er soll sie zu ihren Ärzten bringen, in nahe gelegene Nachbarschaftszentren oder ihnen Ausflüge ermöglichen. Eine Rampe für Rollstuhlfahrer und Gehwagenfahrer soll er haben und eine Motorvorwärmung. „Das ist sozial, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll“, sagt Heimleiter Glöckner. „Jetzt müssen wir diesen Bus irgendwie finanzieren und das ist schwierig“. Deshalb will der Tagesspiegel mit der Spendenaktion helfen.

Frau Kraatz ist zuversichtlich. Vom Weihnachtsmann mit der Frauenstimme hat sie gerade einen kleinen Schutzengel bekommen: „Ich glaube fest daran, dass der dabei hilft, damit alles besser wird.“

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