Serie "Reine Formsache" : Der Speck führt ein Eigenleben

Wer mehr als 30 bis 35 Prozent Fettgewebe hat, bekommt meist gesundheitliche Probleme. Die Folge: ein gestörter Stoffwechsel und Entzündungen.

von

Üppige Speckpolster sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Wer mehr als 30 bis 35 Prozent Fettgewebe hat, bekommt meist gesundheitliche Probleme. Denn das tiefer liegende Fett beginnt, ein Eigenleben zu führen: Es bildet Hormone, nimmt Einfluss auf den Stoffwechsel.

DAS PROBLEM-DEPOT

In der tief liegenden Speckschicht reichern sich Immunzellen an. Das ist im Blutbild sichtbar: Die Entzündungsfaktoren steigen. Dieser Prozess, erklärt das Richtig Essen Institut Berlin, „gleicht dem einer Gefäßentzündung bei Arteriosklerose“. Die Entzündung kann sich auch auf den ganzen Organismus ausweiten. Schwer Übergewichtige sind fast permanent angeschlagen. „Ihr Immunsystem versucht ständig, gegen diese Entzündung anzugehen, deshalb sind sie auch anfällig für Infektionen. Denn wenn, bildlich gesprochen, ein Heer von 200 000 Soldaten zur Bekämpfung von Krankmachern zur Verfügung steht, sind bei Adipösen rund 50 000 immer im Einsatz im Bauchfettgewebe“, sagt Heidi Brünion, Geschäftsführerin des Richtig Essen Instituts Berlin. 100 Faktoren seien lokalisiert, die bei einem übergroßen Fettgewebe den Stoffwechsel negativ beeinflussten. Man nennt sie Adipokine, sie erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Fettleber um das Dreifache

UNSTILLBARER HUNGER

Hormone und Adipokine scheinen sich in ihrer Wirkung zu vervielfachen. Sie bremsen, wie Studien zeigen, auch Stoffe im Magen-Darm-Trakt aus, die Hunger und Sättigung im Lot halten. „Viele schwer Übergewichtige haben permanent Appetit und spüren kein Sättigungsgefühl mehr“, sagt Heidi Brünion. Esssucht gibt es also wirklich, ausgelöst durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Die einzige Lösung ist, den Lebensstil zu ändern, Stück für Stück.

RUND UND GESUND

Sie sind übergewichtig, aber Ihre Blutwerte sind okay? Neuere Untersuchungen belegen, dass nicht alle Menschen mit zu viel Pfunden die entzündlichen Hormone in sich tragen. Etwa ein Drittel der dicken Menschen ist gesund. Warum, ist nicht wirklich geklärt; die Medizin vermutet eine positive genetische Veranlagung. Übergewicht kann ebenfalls genetisch bedingt sein. Der Stoffwechsel ist dann eher auf Speichern als auf Verbrennen programmiert. Die „guten Futterverwerter“, die auch langsamer abnehmen als andere, gibt es also tatsächlich. „Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft wird der genetische Anteil der Adipositas aber nur auf ungefähr ein Drittel geschätzt“, schreibt das Richtig Essen Institut in einer Broschüre. Entscheidend ist immer auch der Lebensstil.

Infos und ein Adipositas-Netzwerk bietet auch der Verband der Ökotrophologen: www.vdoe.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar